Fahrradfahrer, Grachten & home sweet home

Kategorien Amsterdam / Schweiz

Verrückte Fahrradfahrer

Nach fast 30 Stunden Reisezeit sind wir in Amsterdam angekommen und sind mit dem Taxi zum Hotel gefahren. Nach den Klapperkisten, die in Südamerika so herum kurven, war dieses Taxi eher ein James Bond Gefährt. Während wir über die Autobahn rasen, hatte ich das Gefühl bald abzuheben. Kaum aus dem Taxi ausgestiegen, wurden wir bereits das erste mal fast von einer Horde Fahrradfahrer umgefahren.

In Amsterdam scheinen die Fahrradfahrer alle Rechte zu besitzen und als Fussgänger bist du unentwegt am Ausweichen bzw. auf die Seite springen. An jedem Geländer, jeder Brücke, jedem Baum sind Fahrräder angekettet. In Amsterdam gibt es definitiv mehr Fahrräder als Einwohner oder Autos. Auf den Fahrradwegen sind auch Motorroller erlaubt und alle fahren ohne Helm. So sind wir zum Schluss gekommen, dass Amsterdam wohl das Klein-Südamerika von Europa sein muss. Auch hier werden die Kinder ohne Sicherheitsvorkehrungen mit dem Fahrrad transportiert und das auch noch in einem haarsträubenden Tempo.

Herber Duft und viel nackte Haut

Nicht nur die Fahrweise der Fahrradfahrer haben uns an Südamerika erinnert, sondern auch der herbe Duft der über der Stadt hängt. In Amsterdam wird Marihuana konsumiert wie bei uns Schweizer Käse. Vor allem in der Innenstadt reiht sich ein Coffeeshop an den nächsten (hier gibt es dann auch das leckere Gebäck mit berauschender Wirkung), nur unterbrochen von ein paar Schaufenstern mit holländischem Käse oder den Kabäuschen mit den aufreizenden Damen. Ein etwas verwirrender Anblick, wenn man so an den Schaufenstern vorbeischlendert, welcher uns aber auch oft durch die gegensätzlichen Auslagen zum Lachen gebracht hat.

Grachten und unzählige Brücken

Amsterdam ist aber nicht nur Marihuana, nackte Frauen und Käse. Die Grachten mit ihren fast 2000 Brücken sind ebenfalls sehenswert. Stundenlang sind wir durch die Gassen gestreift und haben die schiefen Häuser bestaunt. Auffällig war, dass viele Hausfassaden gegen den Giebel leicht nach vorne gebeugt sind und unter dem Dach ein Flaschenzug befestigt ist. Die Häuser sind so schmal gebaut, dass ein Umzug durchs Treppenhaus unmöglich ist und das ganze Mobiliar durchs Fenster rein oder raus muss. Damit das einfacher geht, sind die Mauern extra nach oben leicht überhängend gebaut worden. Die Häuser sind zur Strassenseite so schmal gebaut, da früher eine Fenstersteuer zu entrichten war. So haben die Holländer zur Strassenseite jeweils nur 2-3 Meter breite Häuser gebaut, welche sich Richtung Innenhof verbreitert haben. Schlau, diese Holländer.

Natürlich durfte eine Bootsfahrt durch die Grachten nicht fehlen. So sind wir bei strahlendem Sonnenschein mit unserem Kapitän, ein richtig grummeliger Seebär, durch die Grachten getuckert und haben noch so einiges über diese tolle Stadt erfahren.

Das Wunder des menschlichen Körpers

In Amsterdam kann man die Ausstellung Body World besuchen. Hier wird anhand von hergerichteten, echten Leichen und Teilen des menschlichen Körpers die faszinierenden Details erklärt. Über 2 Stunden haben wir uns dieses erstaunliche Museum angeschaut, was für uns als Museums-Muffel wohl ein Rekord ist. Auch wenn es sich im ersten Moment etwas gruselig anhört oder es pietätlos erscheint ins Innerste eines Menschen zu schauen, aber die Ausstellung ist wirklich würdevoll und absolut empfehlenswert.

Ärger mit dem Zoll

Die Einfuhr von unserem Pepino steht an. Leider wurden wir in einem Auswahlverfahren der Zollbehörde ausgesucht, dass Pepino durchleuchtet werden muss. Eine Hiobsbotschaft, denn ein solcher Scan kostet über CHF 800 und muss vom Besitzer des Containerinhalts berappt werden. Die Gefahr, dass genau unser Container für einen solchen Scan ausgesucht wird war natürlich hoch, denn wir haben ja von Cartagena, Kolumbien, d.h. von einer Drogenmetropole aus verschifft. Trotzdem hatten wir gehofft, als Privatpersonen verschont zu bleiben. Natürlich haben sie bei diesem Scan nichts gefunden. Doch es wurde noch eine zusätzliche physische Durchsuchung angeordnet. Dies wurde uns am Abend von unserem Agenten mitgeteilt. Jetzt standen wir vor einem Problem, denn diese wurde für den nächsten Tag um 8 Uhr angesetzt. Doch wir waren ja in Amsterdam, das Auto ist natürlich abgeschlossen und der Schlüssel steckt in Pasci’s Hose. So mussten wir Hals über Kopf am nächsten Morgen Amsterdam verlassen, sind auf den nächst möglichen Zug nach Antwerpen aufgesprungen, um den verschobenen Termin um 15 Uhr wahrzunehmen.

Stundenlanges Warten stand uns bevor und am Schluss hat sich herausgestellt, dass eigentlich alles nicht nötig gewesen wäre, hätte der Agent die von uns gelieferte, detaillierte Packliste mit dem Inhalt der persönlichen Waren an die Zollbehörde weitergeleitet. Etwas verärgert, aber immerhin noch kurz vor Feierabend der Behörde konnten wir unser Auto von den Klauen des Zolls befreien.

Home sweet Home

Da für das Wochenende tatsächlich nochmals Schnee angesagt wurde, haben wir uns entschieden, auf schnellstem Weg nach Hause zu fahren. Eine Rutschpartie im Schneegestöber war das Letzte, was wir uns jetzt noch wünschten. Eigentlich sind wir extra etwas länger in Südamerika geblieben, um im Frühling nach Hause zu kommen und evtl. noch zwei drei Stopps in Europa zu machen. Aber da hat uns Petrus wohl nicht erhört. So sind wir nach einer langen Autofahrt bei trockenem Wetter mit Pepino auf den Hausplatz gefahren. Ein spezieller Moment für uns.

Doch eine Böse Überraschung liess nicht lange auf sich warten. Zum Glück funktioniert bei diesen Temperaturen die Heizung noch, aber wir haben kein Wasser. So heisst es weiterhin, die Zähne mit Mineralwasser putzen, der Wassereimer zum spülen steht wieder neben dem WC und das Toilettenpapier gehört immer noch ins Töpfchen daneben:)

Am nächsten Morgen wurden wir von der Familie mit einem leckeren Brunch im Weinkeller überrascht und erste Geschichten wurden erzählt. Wir sind tatsächlich nach 14 Monaten, 43’000 auf südamerikanischen Strassen gefahrenen Kilometern, einem Diebstahl, keinen gesundheitlichen Problemen und unzähligen Geschichten und Bildern im Kopf wieder zu Hause. Wir sind dafür unendlich dankbar.

Ende

Jeannette & Pascal

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