Urvölker, Ruinen & ein ewiges rauf und runter

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Titicacasee – Puno
Entlang des Titicacasees fuhren wir nach der Grenze bis kurz vor Puno, um dort zu übernachten. Der tiefblaue See war ein prächtiger Farbtupfer in dieser zu dieser Jahreszeit sehr farblosen Gegend. Die Sonnenstrahlen wärmen tagsüber ganz schön auf, aber Abends kommt immer ein eisiger Wind auf und lässt einem schnell frösteln.

Deshalb waren wir froh, dass wir Abends jeweils in der Hotellobby etwas verweilen durften. So konnten wir unsere schon lange überfälligen Büroarbeiten und den Bolivien Bericht abschliessen. In der Stadt Puno waren wir nur kurz einkaufen, um unsere Essensvorräte wieder aufzufüllen. Natürlich steht der Supermarkt mitten im Zentrum und man muss sich bis dahin durch den Verkehr kämpfen. Dass auch noch der Zug durch diese engen Gassen fährt, trägt nicht gerade zur Verkehrsberuhigung bei. Es gibt sogar einen Markt auf den Geleisen, der sobald der Zug heranfährt eiligst abgebaut wird, um kurz nach der Durchfahrt wieder aufgestellt zu werden. Zum Glück konnten wir Pepino in einem bewachten Parkplatz abstellen und so stressfrei einkaufen. In Peru sind die Polizeikontrollen wieder etwas häufiger. Natürlich hat uns auf unserem kurzen Einkaufstrip die Polizei angehalten und wir mussten alle Papiere zeigen. Glücklicherweise hatten wir die Versicherung bereits beim Grenzübertritt am Kiosk abgeschlossen und durften deshalb schon bald wieder weiterfahren.

Von Vulkanen umgeben – Arequipa
Nach 3 Tagen in Puno haben wir uns entschieden weiter Richtung Arequipa zu fahren, wo es etwas wärmer sein soll. Die bekannten Strohinseln der Uros auf dem Titicacasee waren uns keinen Besuch wert. Zumal ich vor 15 Jahren bereits einmal auf diesen wackeligen Inseln war. Diese Inseln waren der Fluchtort der Uros Bevölkerung vor den kriegerischen Inkas. Heute leben nur noch sehr wenige Uros tatsächlich auf den Inseln und werden vom Massentourismus überrannt.
Die Abkürzung, die unser GPS vorgeschlagen hat, war zwar kürzer, aber die Schotterstrasse hat uns mindestens 1 Stunde und ein paar Nerven gekostet. Trotzdem waren wir noch guten Mutes, Arequipa am gleichen Tag zu erreichen. Nach vielen Stunden über 4000 Meter über Meer ging es endlich abwärts. Unser auserwählte Campingplatz lag mitten in der Stadt, nur ein paar Häuserblocks vom Plaza des Armas entfernt. Erstaunlicherweise sind wir gut durch den Verkehr gekommen. Arequipa wurde das letzte mal schwer von einem Erdbeben im Jahr 2001 getroffen. Viele Häuser sahen deshalb sehr gut gepflegt bzw. neu renoviert aus und die Hauptstrassen sind sehr breit. Nach der halsbrecherischen Einfahrt in den Campingplatz (man stelle sich eine Autobahn vor und nach der Kurve kommt ein Tor ohne Ausfahrt, wo man anhalten muss…) haben wir noch einen der letzten Plätze gleich hinter dem Hotel ergattert. Diese Übernachtungsplätze sind bei Reisenden mit Auto sehr beliebt und rar gesät.
Arequipa ist mit den prächtigen Kolonialbauten der Spanier ein toller Ort, um ein bisschen die Seele baumeln zu lassen. So flanierten wir durch die hübschen Gassen und haben die gepflegte Atmosphäre in uns aufgesogen.
Als wir so durch die Gassen schlendern, fällt uns plötzlich ein Securitas auf, der mit einem Rollator unterwegs ist. Und dann kommt doch tatsächlich noch einer um die Ecke auf so einem Gerät. Wir haben uns gekugelt vor lachen und haben uns vorgestellt, wie die beiden mit ihren 2 Km/h gerade einen Dieb verfolgen. Eindruck haben diese Securitas jedenfalls bei uns nicht erlangt…
An unserem 2. Jahrestag haben wir uns in einem tollen Lokal mit Kerzenschein beide ein Meerschweinchen und eine Flasche Wein gegönnt. Meerschweinchen ist in Peru ein traditionelles Gericht und die Kellnerin hat uns noch gewarnt, dass der Kopf und alles mitgeliefert wird. Doch wenn es frittiert ist, sieht man eigentlich nur noch die Beisserchen…:) und geschmeckt hat es auch.

In Arequipa haben wir wieder mal ein Museum besucht. Hier ging es um die menschlichen Opfer, welche die Inkas bei einem Vulkanausbruch gebracht haben. So wurden unschuldige Kinder hoch oben auf den Berg gebracht und an den „wütenden Gott“ geopfert. 35 solche Mumien wurden bereits entdeckt. Das bekannteste Opfer ist das „Eis-Mädchen“ Juanita, welches in diesem Museum in einem Eiskasten nebst anderen gefunden Utensilien ausgestellt wird. Ein bisschen makaber, aber dennoch sehr interessant.
Durch die gleich hinter der Stadt liegenden und immer noch aktiven Vulkane ist die Luft in Arequipa leider eher schlecht. Überall hat sich der Vulkanstaub und wohl auch die Abgase der Autos abgesetzt. So haben wir uns nach ein paar entspannten Tagen in der Wärme entschieden, weiter zu reisen.

Die düstere Stadt – Juliaca
Nun mussten wir den gleichen Weg wieder hinauf in die Berge fahren, wie wir gekommen sind. Erstaunlicherweise sind wir trotz der vielen LKWs gut vorangekommen und haben in Juliaca, einer ziemlich düsteren Stadt, ein Hotelzimmer genommen. Nach einem späten Mittagessen für 6 Soles (umgerechnet 2 Franken) haben wir uns von der anstrengenden Fahrt erholt. Nur den Fruchtsaft, den sie uns angeboten haben, haben wir nicht getrunken, da ich beobachtet habe, wie die Serviertochter die halb leeren Gläser der anderen Gäste einfach wieder in den Krug geschüttet hat. Leider haben mich wohl durch das schnelle Aufsteigen auf 3500 M.ü.M. wieder Kopfschmerzen eingeholt und die Nacht war deshalb nicht ganz so entspannt. Am nächsten Morgen sind wir deshalb schon zeitig und ohne Kaffee Richtung Cusco los.

Inka Brücke – Sicuani
In Sicuani haben wir auf halbem Weg nach Cusco einen ruhigen Campingplatz für die Nacht gefunden. Einziger Wermutstropfen war, dass sich dort ca. 20 Hunde tummelten und so der Gang über den Platz wegen der Hundescheisse zum Spiessrutenlauf wurde. Aber ansonsten war alles tiptop und wir konnten abends vor dem kühlen Wind wieder in die Hotellobby flüchten. Nach dem Frühstück haben wir uns zu einer aus Seilen gebauten Inka Brücke aufgemacht. Die letzten Kilometer führten uns auf einer engen Strasse im ZickZack runter in die Schlucht. Die Brücke wird jedes Jahr im Juli neu gebaut und so habe ich diese vertrauensvoll betreten. Doch obwohl die Brücke eigentlich erst ein paar Wochen alt ist, hing sie schon ziemlich schräg über der Schlucht. Einige der Holzstäbe sind bereits auf einer Seite herausgerutscht und die ganze Brücke hing deshalb schief. Der Wind hat dann zusätzlich das ganze noch ins Schwingen gebracht. Als ich wieder festen Boden unter den Füssen hatte, haben meine Beine ganz schön geschlottert und mein Herz gehämmert.

Farbenfroher Rainbow Mountain
Am gleichen Tag wollten wir noch bis zum Ausgangspunkt der Rainbow Mountain Wanderung fahren. Bis zur Abzweigung sind wir schnell vorangekommen. Die letzten 40 Km sind laut Karte eine Schotterpiste. Zum Glück sind uns die letzten Tourbusse noch im Talgrund entgegen gerauscht. So konnten wir die schmalen Wege mit schweisstreibenden Abgründen fast ohne Gegenverkehr bewältigen. Nur einige mit Menschen beladene Lastwagen sind uns entgegengekommen. Kurz vor Eindunkeln, haben wir den verlassenen Parkplatz und unseren Übernachtungsplatz auf 4500 M.ü.M. erreicht. Ein unglaublicher Sternenhimmel hat sich uns bei eisiger Kälte präsentiert. Doch nach einer heissen Suppe sind wir in unsere Schlafsäcke gekrochen, da wir beim ersten Tageslicht bereits loslaufen wollten. So sind wir auch bereits um 5 Uhr aufgestanden und sind mit Handschuhen und Kappe bewaffnet losmarschiert. Die eisig kalten Füsse wurden mit den ersten Sonnenstrahlen warm und wir haben uns schnaufend und in winzigen Schritten den Berg hoch gekämpft. Schon bald hat sich der gewaltige Ausangate (6384 M.ü.M.) mit seinen eindrücklichen Gletschern gezeigt und uns immer wieder motiviert, den Gipfel auf 5030 M.ü.M. zu erreichen. Nach 2 Stunden sind wir oben angekommen und die Aussicht hat uns den verbleibenden Atem geraubt. Diese Kulisse hat den Namen Rainbow Mountain tatsächlich verdient. Nach einem späten Frühstück auf dem Gipfel, haben wir uns wieder auf den Rückweg gemacht. Zum Glück sind wir bereits früh losmarschiert und konnten den Weg und die Aussicht noch fast alleine geniessen. Auf dem Rückweg sind uns hunderte Touristen entgegengekommen. Die einen zu Fuss und die ganz faulen auf Pferden. Mit dieser Masse an Menschen, wäre das Erlebnis kein Prozent so schön und unglaublich gewesen.
Auf dem Parkpaltz haben wir uns nur eine kurze Pause gegönnt und haben uns mit müden Beinen auf den Weg nach Cusco gemacht.

Tourismusmagnet Cusco
Die Altstadt von Cusco ist bekannt für seine engen, steilen Gassen aus Kopfsteinpflaster. Pascal hat mich noch gewarnt, ich solle uns nicht in eine solche Gasse lotsen. Das ging auch lange gut. Doch was macht unser GPS? Kurz vor dem Ziel stehen wir in einer engen Gasse und einen steilen Hang vor uns. Zurück konnten wir nicht mehr und so sind wir mit Anlauf die Gasse hoch gerast. Die Touristen mussten sich entweder auf den erhöhten Gehsteig oder in einen Türeingang retten, denn anhalten konnten wir nicht. Und plötzlich müssen wir in dieser Gasse und im Steilhang auch noch links abbiegen. Pascal hat wütend am Steuer gerissen, Gas gegeben und die Fussgänger sind auf alle Seiten gesprungen. Doch schlussendlich haben wir ohne Personen- oder Fahrzeugschaden den Campingplatz hoch über den Dächern von Cusco erreicht.
Das charmante Cusco und vor allem die wunderschöne Altstadt hat uns in den Bann gezogen. Gleich neben unserem Campingplatz liegen die Saqsaywaman Ruinen, welche wir bei einem Nachmittagsspaziergang besucht haben. Eigentlich wollten wir nach 3 Tagen ins heilige Tal fahren, aber ausgerechnet für die nächsten 2 Tage wurde Regen angesagt, weshalb wir entschieden noch etwas abzuwarten. Regen kennen wir seit Monaten nicht mehr und irgendwie haben wir auch keine Lust nass zu werden. Wir wurden in den letzten Monaten wirklich von der Sonne verwöhnt.
Die 2 Tage Regen haben sich eher als kleiner Landregen herausgestellt. Trotzdem waren wir froh, dass wir die „Schlechtwetterfront“ auf dem gemütlichen Campingplatz verbringen konnten. So sind wir nach 1 Woche in Cusco bei strahlendem Wetter ins heilige Tal gefahren.

Das heilige Tal
Als erstes haben wir Pisac mit den wunderschönen Ruinen hoch oben im Hang besucht. Nach einem Rundgang durch die gut erhaltenen Inka-Ruinen hat es uns nach Morray, einer weiteren Inka-Stätte gezogen. Dort konnte man ein kreisrundes Treppengebilde bestaunen, welches die Inka als Testgelände für den Anbau verschiedener Pflanzen benutzt haben. Einen Katzensprung entfernt liegen auch die Salinen, welche ebenfalls bereits von den Inkas angelegt wurden. Auf dem Parkplatz vor dem Eingang zu den Salzfeldern konnten wir, nachdem alle Tourbusse verschwunden sind, eine ruhige Nacht verbringen. So waren wir bei den ersten Besuchern am Morgen, und konnten in Ruhe durch die Salzfelder schlendern. Eindrücklich war, wie die Frauen und Männer noch von Hand das Salz abgeschöpft haben und wie die Felder steil am Abgrund angelegt sind. Auf dem Rückweg zu unserem Auto sind uns wieder hunderte Touristen entgegengekommen, was uns wieder mal bewiesen hat, dass es sich lohnt früh aufzustehen. Nach der Besichtigung der Ruinen am Vortag und der Salinen hatten wir jedoch genug gesehen und haben uns auf den Weg Richtung Küste gemacht. Eigentlich wollten wir in Chinchero einen bekannten Sonntags-Textilmarkt besuchen, dieser fand jedoch wegen irgendeiner Feier nicht statt und wir haben uns nach einem leckeren Mittagessen für ein paar Franken weiter Richtung Küste aufgemacht.

Der Steinwerfer
In einem kleinen Dorf im Niergendwo steht plötzlich ein alter, verwirrter Mann vor uns. Zuerst haben wir gedacht, dass er uns etwas verkaufen will. Doch als er sich vor unserer Kühlerhaube aufrichtet, sahen wir einen faustgrossen Stein in seiner Hand, welche er in unsere Richtung hob. Erschrocken über die unerwartete Attacke sassen wir wie versteinert im Auto. Wenn der jetzt den Stein in unsere Windschutzscheibe wirft, ist diese endgültig im Eimer. Was sollen wir tun? Geistesgegenwärtig legt Pascal den Rückwärtsgang ein, biegt ein paar Meter weiter hinten auf einen kleinen Dorfplatz ein und gibt Gas. Der alte Mann ist uns mit erhobenem Stein zwar noch nachgerannt, aber wir konnten ihm entfliehen. Ufff, das war knapp.

Einblick in ein Spital für Bedürftige
Auf der Fahrt aus dem heiligen Tal hat sich der verschneite Salcantay immer wieder gezeigt. So kam es, dass Pascal bei einem Fotostopp ins Gespräch mit 2 jungen Deutschen gekommen ist. Diese haben uns spontan angeboten, bei Ihnen in Curahuasi zu übernachten. Da dieser Ort sowieso unser Tagesziel war, haben wir die Einladung gerne angenommen. Nach weiteren 1,5 Stunden Fahrt hoch und runter mit prächtiger Kulisse sind wir schlussendlich bei Isabelle & Nathanael angekommen. Unseren Pepino konnten wir bei ihnen im Garten abstellen und uns mit Sicht auf die Stadt ein wenig vom Schock des Steinwerfers erholen. Beim Abendessen haben sie uns viel über ihre Mission in Peru erzählt und uns auch eingeladen, sie am nächsten Morgen für eine Führung durchs Spital zu begleiten.
So kam es, dass wir um 8.30 Uhr bereits in der kleinen Kapelle des Spitals, welche bis auf den letzten Platz besetzt war, gesessen sind. Da sitzt dann auch schon mal der Arzt im weissen Kittel am Schlagzeug und die Sängerinnen bzw. Krankenschwestern sind bereits einsatzbereit im blauen Gewand. Ein lustiges und gleichzeitig beeindruckendes Bild. Bei der Einfahrt zum Spital sind die Bedürftigen bereits Schlange gestanden, um behandelt zu werden. Drinnen war der Wartesaal ebenfalls bereits übervoll. Teilweise reisen diese Menschen tagelang an, um dann weitere Tage hier auf dem Gelände zu warten, bis sie medizinische Hilfe bekommen. Das Spital lebt nach dem Grundsatz: Beste Medizin für die Ärmsten. So sind dann auch die Behandlungsräume tatsächlich mit den modernsten Geräten ausgestattet, die teilweise nicht mal in Lima oder anderen grossen Spitälern vorhanden sind. Sehr beeindruckend fanden wir auch die gute Laune aller Ärzte und Krankenschwestern. Trotz alltäglichem Leid, schienen alle zu Witzen aufgelegt und es schien, als hätten sie ihre Berufung gefunden. Toll, dass es solche Menschen noch gibt.

Nasca
Der Weg an die Küste hat sich in die Länge gezogen. Immer wieder auf kurvigen Strassen rauf und runter, rauf und runter, so dass wir schon bald das Schweizer Lied „Buurebüebli“ mit dem Refrain „Mal ufe, mal abe, mal links, mal rechts“ angestimmt haben. Nach einer Übernachtung vor einem Touristenhotel sind wir in Nasca angekommen, wo wir ebenfalls auf dem Parkplatz eines geschlossenen Hotels einen Übernachtungsplatz gefunden haben. Die am Vorabend abgemachten 10 Soles pro Person und Übernachtung wurden beim Bezahlen am Morgen kurzerhand zu 10 Dollar pro Person. Etwas verärgert über diese unfaire Abzocke, haben wir ihm dann gesagt, dass er für dieses Geld wenigstens die sanitären Anlagen putzen soll. Aber schlussendlich waren wir froh, um diesen sicheren Stellplatz, da es in Nasca viele „Schlünggis“ gibt und haben die 20 Dollar bezahlt.

Oase in den Sanddünen – Huacachina
Huacachina ist eine kleine, touristische Oase inmitten der Sanddünen von Ica. Auf einem Eco-Campingplatz mit Swimmingpool wurden wir von der nachmittäglichen Hitze ziemlich überrascht. Mit einem kühlen Bier konnten wir unseren Durst jedoch löschen, denn Wasser zu trinken schien uns hier verschwenderisch:) Nach einem kurzen Rundgang durch die Oase haben wir einen gemütlichen Abend verbracht und mussten für einmal nach Sonnenuntergang nicht gleich Kappen und Handschuhe montieren. Doch die traumhafte Idylle wurde am nächsten Morgen mit dickem Nebel getrübt, weshalb wir uns entschieden weiter zu fahren.

Korruption
Endlich an der Küste angekommen haben wir uns auf die Autobahn begeben, um so schnell wie möglich Lima hinter uns zu lassen. Doch schon kurz nach der Einfahrt, werden wir von einer Polizeikontrolle gestoppt. Schon als wir den „Sheriff“ mit seinen unzähligen Ringen an den Fingern und den Tattoos auf den Armen sahen, wussten wir, dass es teuer werden kann. Vorerst war er sehr freundlich und hat mit uns wie bis anhin alle Polizisten in Peru ein bisschen geplaudert. Dieses Spiel macht man mit und erzählt wie wunderschön Peru ist und es sooo viel zu sehen gibt. Meistens sind sie dann glücklich und lassen uns weiter fahren. Doch bei diesem Exemplar schien dies nicht zu funktionieren. Immer wieder wollte er entweder Pass, Autopapiere oder irgendwelche Dokumente sehen. Zum Glück haben wir immer alles griffbereit. Plötzlich stellt er sich vors Auto und fordert Pascal auf, das Licht einzuschalten. Etwas verdutzt dreht Pascal am Licht, denn wir haben das Licht immer eingeschaltet weil es in Peru obligatorisch ist. Doch es war in diesem Augenblick nicht eingeschaltet. Wir sind uns sicher, dass der Polizist während der netten Plauderei einfach unser Licht ausgeschaltet und uns so in die Pfanne gehauen hat. Die Busse wäre über 300 Soles (ca. 100 Franken) gewesen und hätte auf einer Bank einbezahlt und von der nächsten Polizeistation abgestempelt werden müssen. Nur schon der Umtrieb war uns zu blöd und wir fragten, ob wir nicht direkt zahlen können. Nach langem hin und her war er einverstanden, wollte dann aber nur noch 200 Soles in bar. Dieses korrupte A…. kann sich jetzt wahrscheinlich mit unserem Geld noch ein Nabelpiercing stechen lassen:)

Lima
Kurz vor Lima konnten wir in einem Hotelgarten übernachten. Der einzige Angestellte hat uns sogar ein Zimmer geöffnet, damit wir die Dusche und das WC benützen können. Den grossen Rotweiler Hund hat er zum Glück nur auf dem Hoteldach rumlaufen lassen und nicht im Garten. So musste man sein Knurren nur jeweils beim Betreten des Hotels überstehen und hoffen, dass er nicht vom Dach springt. Am Abend kam der Angestellte mit einer Schubkarre daher, stellt diese hinter unser Auto und zündet darin Eukalyptus-Blätter an. Dicke Rauchwolken haben uns eingenebelt, was uns vorerst nicht gerade glücklich machte. Doch er erklärte uns, dass es hier durch die Obstplantage im Garten riesige Moskitos gibt und diese so verschwinden. So haben wir die unfreiwillige Räucherung über uns ergehen lassen und waren schlussendlich froh, dass wir tatsächlich nicht von Mücken attackiert wurden.
Die riesige Stadt Lima wollten wir so schnell als möglich hinter uns lassen. Eine Autobahn führt mitten durch die Stadt und das Verkehrschaos hatte uns schnell im Griff. Um jeden Zentimeter wird hier gekämpft. Die 3 Spuren werden teilweise zu fünft benutzt und ein „Spurwechsel“ muss mit Blinken, Hupen und Handzeichen aus dem Auto angezeigt werden. Aber auch das nützt nichts. Unerbärmlich quetschen sich die Autos und LKW’s an einem vorbei. Da nützt es nur, wenn man sich gleich verhält und Millimeterarbeit leistet. Zum Glück haben wir uns nur einmal verfahren und konnten nach 2 Stunden Kampfsport die Stadt hinter uns lassen.

Cordillera Blanca
Die Küste um Lima liegt ¾ des Jahres unter einer dicken Nebeldecke. So wollten wir so schnell als möglich wieder ab in die Berge. Auf halbem Weg zu unserem nächsten Ziel den Cordillera Blanca, konnten wir hinter dem kleinen Restaurant Rumi Siki mit 3 grossen LKW’s gratis übernachten. Dafür haben wir uns das Kochen erspart und haben im Restaurant gegessen. Am nächsten Morgen ging es weiter hoch in die Berge wieder auf 4000 M.ü.M., um dann auf einem Hochplateau die schneebedeckten Gipfel der Cordillera Blanca zu bestaunen. Die Cordillera Blanca ist die grösste Gebirgskette der Welt nebst dem Himalaya mit 18 Gipfeln über 6000 M.ü.M. In Caraz haben wir einen tollen Campingplatz gefunden, um uns von der stressigen Küstenfahrt zu erholen und sind wieder mal ein bisschen länger geblieben als geplant.

Früh morgens haben wir uns auf die 2 Stunden lange Fahrt bis zum Ausgangspunkt der Laguna 69 Wanderung aufgemacht. Wie uns eine deutsche Reisende erklärt hat, sei die Wanderung nur geradeaus 6 Stunden hin und zurück. So haben wir uns im beachtlichen Tempo auf den Weg Richtung Lagune gemacht. Dabei haben wir unzählige Touristen im Stechschritt überholt und freuten uns, dass wir uns so gut an die Höhe gewöhnt haben. Nach ca. 1 Stunde stehen wir vor einem Steilhang und dachten noch, dass gleich dahinter die Lagune sein müsse. So sind wir nach einer kurzen Verpflegungspause weiter marschiert. Doch als wir auf der oberen Ebene ankommen, ist da weit und breit keine Lagune. Also mussten wir noch einen weiteren Steilhang d.h. eine Muräne eines zurückgegangenen Gletschers passieren. Kurz vor dem Ziel, hat uns das zügige Tempo eingeholt und wir mussten schon um jeden Schritt kämpfen. Zum Glück hat sich schon bald darauf der türkisfarbene See mit den Gletscher überzogenen Gipfeln im Hintergrund gezeigt. Ein sehr schöner Anblick, welcher uns für die Strapazen belohnt hat. Schon bald darauf sind dicke Wolken aufgezogen und wir haben uns bei leichtem Schneefall auf den Rückweg gemacht.

Neben uns auf dem Campingplatz sind schon bald „altbekannte“ Reisende aus Glattfelden und auf der anderen Seite 3 junge Reisende aus Gossau ZH eingezogen. So verbrachten wir die Tage mit viel Erfahrungsaustausch und genossen den „Zürcher-Plausch“ mit gemeinsamen Nachtessen und „Schlummerdrinks“. Da unsere Nachbarn aus Gossau ein Problem mit dem Auto hatten, haben die Männer die Köpfe in den Motorraum gesteckt und den ganzen Tag versucht das Problem zu lösen. Nadine und ich haben uns inzwischen aufgemacht, um unsere Essensvorräte aufzufüllen. Jaime, der Chef vom Platz, hat uns in die Stadt gefahren. Für den Rückweg haben wir uns ein TuckTuck genommen, dass unter der Last unserer Einkäufe fast kollabiert wäre.
Am nächsten Tag haben wir uns von den Zürchern verabschiedet und haben das Auto der Gossauer noch bis in die Stadt abgeschleppt.

Cañon del Pato
Der Cañon del Pato mit seinen in Fels geschlagenen 54 Tunnels liegt in einer engen Schlucht zwischen den Cordillera Blanca und den Cordillera Negra. Die Strasse ist nur einspurig und die Tunnels natürlich nicht beleuchtet. So muss man bei jeder engen Kurve und bei jedem stockdunklen Tunnel vor der Einfahrt kräftig auf die Hupe drücken, damit der Gegenverkehr ausweichen bzw. anhalten kann. So oft wie in Peru, haben wir wahrscheinlich noch nie unsere Hupe benutzt. Die enge Schlucht war eindrücklich und der Fluss hat wohl während der letzten Regenzeit auch einige Strassenstücke geschluckt. Teilweise wurde so aus einer Fahrspur noch eine halbe…

Trujillo
Am gleichen Tag sind wir noch zurück zur Küste nach Trujillo gefahren, wo wir die La Huaca El Brujo Ruinen der Moche Dynastie begutachten wollten. Die Moche waren eines der Völker die vor den Inkas gelebt haben und hier an der Küste ihre Pyramiden förmigen Gebilde hinterlassen haben. In der Ausgrabungsstätte El Brujo haben wir viele gut erhaltene Fresken, Keramikstücke und die Gräber bestaunen dürfen. Auch eine Mumie wird hier ausgestellt, bei welcher sogar noch die Tattoos auf den Armen sichtbar sind. In dieser Gegend gibt es inzwischen sehr viele solche Ausgrabungsstätten, unser Kulturbedürfnis war jedoch nach dem Rundgang gestillt und wir haben uns nach einer ausgiebigen Shoppingtour wieder Richtung Berge aufgemacht.

Entlang der Küste trifft man immer wieder auf violett gekleidete Pilger. Der vorderste trägt ein riesiges Kreuz auf den Schultern und die hinteren tragen irgendwelche kitschigen Madonnen in den Armen. Diese sind uns schon an der Küste im Süden aufgefallen, aber auch hier im Norden trifft man überall auf sie. Woher sie kommen und wohin sie wohl gehen, bleibt uns ein Rätsel.

Verkehrsschilder
In Peru gibt es unzählige verwirrende und teilweise völlig unnütze Verkehrsschilder. So stehen überall Geschwindigkeitsbegrenzungstafeln 35 Km/h herum, die keine Sau interessiert. Da wird gerast, was das Zeug hält, Kurven werden immer geschnitten und überholt wird nur bei einer doppelt ausgezogenen Linie oder vor einer unübersichtlichen Kurve. Wenn dann einer entgegenkommt fahren einfach alle in den Strassengraben, hupen kurz und rasen dann weiter. Locos!!! Inzwischen haben wir einige Lieblingstafeln erkoren.

  • „Auto waschen verboten“ – für eine Autowäsche, fahren die Peruaner gerne einfach in den Fluss.
  • „Keine Steine auf der Strasse liegen lassen“ – Wenn die Peruaner eine Panne haben, legen sie jeweils ganze Felsbrocken hinter die Räder, damit die Autos nicht wegrollen. Die Handbremse kennen sie nicht. Die Steine lassen sie dann beim Wegfahren einfach auf der Strasse liegen. Dies tun sie bevorzugt hinter einer Kurve…
  • „Mit Sprengstoff fischen verboten“ – ohne Worte
  • „Zona Critica“ – das Überraschungsei und mein absoluter Favorit unter den Verkehrsschildern. Man weiss somit nie, was sich hinter der nächsten Kurve verbirgt. Es kann sein, dass ein paar Tiere auf der Strasse stehen, Steine auf der Strasse liegen, ein Schlagloch, ein Rutschhang oder ganz einfach die halbe Strasse weg ist.

Cajamarca
Die kurze Strecke an der Küste entlang hat uns wieder mal die andere Seite von Peru gezeigt. Links und rechts von der Strasse liegen Müllberge. Die letzte Regensaison hat ebenfalls ihre Spuren hinterlassen und so sieht man viele überschwemmte Gebiete, eingestürzte Brücken und zerstörte Strassen. Das pure Gegenteil der wunderschönen Bergwelt Perus. Zwar sind die Zuckerrohr-, Reis- und Weinfelder ein kleiner Farbtupfer in der Wüstenlandschaft, aber die Müllberge stechen einem immer wieder ins Auge oder in die Nase. So waren wir froh, als wir endlich wieder aufwärts Richtung Berge fuhren.
Ausserhalb von Cajamarca in Baños del Inca konnten wir auf einer sehr hübschen Hotelanlage hinter dem Haus für die Nacht parkieren. In einem extra für uns geöffneten Hotelzimmer konnten wir WC und Dusche benützen und haben uns wieder mal im Hotelrestaurant verwöhnen lassen. Am nächsten Morgen sind wir jedoch schon früh losgefahren, da wir 350 Km über viele Pässe vor uns hatten. Keine Minute zu früh, wie wir später erfahren mussten…

Todesstrasse auf peruanisch
Die Strasse nach Chachapoyas ist zwar asphaltiert aber nur einspurig. Sie windet sich stundenlang den Berg hinauf, um hinten wieder ins Tal zu führen. Die Abgründe sind atemberaubend und schweisstreibend. Mit beiden Händen hat Pascal das Lenkrad festgehalten, die Hupe vor den engen Kurven gedrückt und den Blick immer starr auf die Strasse gerichtet. Denn der Weg war nur wenige Zentimeter breiter als unser Auto und die teilweise überhängenden Felsen waren Millimeterarbeit. Ich durfte auf der Talseite mit klopfendem Herz in den Abgrund blicken und wurde als Späher für die Weitsicht auf den Gegenverkehr eingesetzt. So sind wir über die halsbrecherische mit Schlaglöchern und teilweise von Hangrutschen in Mitleidenschaft geratene Bergstrasse hoch und runter gekurvt. Nach 2 Stunden Fahrt konnten wir einen Fluss 2000 Meter unter uns noch senkrecht sehen. Diesen Anblick haben wir beide nur für Sekunden „genossen“. Eigentlich sind wir die bekannte Todesstrasse in Bolivien extra nicht gefahren, da wir beide nicht ganz schwindelfrei sind, doch was wir in Peru schon auf „Todesstrassen“ unterwegs waren, lässt diese in Bolivien wie einen Kindergeburtstag aussehen. Vor allem die Länge dieser Strecken sind eindrücklich, beängstigend und ermüdend.
In Leilebamba wollten wir wegen der vorgerückten Stunde eigentlich einen Übernachtungsplatz suchen. Doch das Dorf hatte so enge Gassen, dass wir Pepino nirgends stehen lassen konnten. Also haben wir einen 40 Km entfernten Campingplatz angesteuert, welchen wir bei Einbruch der Dunkelheit erreichten. Doch wie der Teufel so will, war das Tor zu und kein Mensch zu sehen. Da half auch Rufen und Hupen nichts. Also mussten wir uns bis zum nächsten 20 km entfernen Dorf in Tingo Nuevo durchschlagen, was sich als Glücksgriff erwies. Bei Javier, einem ausgewanderten Spanier, konnten wir ein luxuriöses Zimmer mit heisser Dusche und toller Terrasse beziehen. Und das Beste war, dass wir so am Ausgangspunkt für die geplanten Kuelap Ruinen waren.

Chachapoyas – The Cloud People
Inzwischen waren wir im Staat Amazonas und die Vegetation hat sich schlagartig geändert. Wohin man sieht ist alles grün und verwachsen. Palmen, Bananenbäume, Kakteen auf den Bäumen etc. die Chachapoyas nennt man auch Cloud People, da sich hier auf der letzten Hügelkette vor dem Amazonasbecken immer dicke Wolken über den Himmel schieben und die Menschen somit sehr nahe an den Wolken leben. Die Ruinen von Kuelap sind nebst Machu Pichu die eindrücklichsten von ganz Peru, auch wenn sie nicht mit der Präzision der Inkas gebaut wurden. Die mystische Umgebung mit dem Regenwald und den Nebelfetzen erinnert dennoch stark an das touristische Machu Pichu. Da Kuelap aber weit ab von den touristischen Reiserouten liegt, verirren sich hierhin hauptsächlich einheimische Touristen. Bis anhin musste man für die Besichtigung der Ruinen eine 6-7 Stunden Wanderung über steiles Gelände auf sich nehmen. Seit 3 Monaten ist jedoch eine Seilbahn in Betrieb, die wohl in Zukunft auch mehr Touristen anlocken wird. Eigentlich hatte ich schon nach der kurzen Busfahrt zur Seilbahn für diesen Tag genug Adrenalin ausgeschüttet, doch die Seilbahn sollte mir noch den Rest geben. Die Seilbahn geht zuerst steil bergab, dann über eine tiefe Schlucht, um dann fast senkrecht wieder hochzugehen. Der Ausblick hat uns etwas von der schwindelerregenden Höhe abgelenkt. Aber immer wieder haben uns die Gedanken, dass diese Seilbahn von Peruanern gebaut wurde (naja) eingeholt. Oben angekommen haben wir uns auf den Rundgang durch die Ruinen gemacht. Riesige Mauern, Kreisrunde Überbleibsel von Wohnhäusern, rutschige, steile Treppen, alles verwachsen mit Regenwald und immer wieder ein bisschen Nieselregen und Nebelschwaden, haben diesem Ort eine mystische Erscheinung gegeben. Nach 3 Stunden staunen über diese Entdeckung haben wir uns wohl oder übel wieder auf den Rückweg gemacht. Inzwischen hat leider auch ein bisschen Wind eingesetzt, so das Pascal und ich schweigend in der Gondel über dem Abgrund geschaukelt sind und beiden nicht mehr ganz wohl war. Wir waren uns sicher, wer solche Strassen baut, solche Seilbahnen plant, diese freiwillig auch noch fährt, muss einen an der „Waffel“ haben.
Erschöpft und tief beeindruckt von dieser historischen Gegend sind wir wieder heil im Tal angekommen, wo wir zufällig wieder auf Silvia und Beat aus Glattfelden getroffen sind. So haben wir in dem winzigen, romantischen Dorf zusammen in einem kleinen Restaurant zu Abend gegessen. Die letzten erlebnisreichen Tage gaben ja wieder genügend Gesprächsstoff für einen Erfahrungsaustausch.

Catarata de Gocta – Kolibri-Reservat
Die 771 Meter hohen Wasserfälle „Gocta“ wurden erst im Jahre 2005 entdeckt und vermessen. Es sollen die 3. höchsten Wasserfälle auf der Welt sein. Dies war uns einen kurzen Abstecher wert, doch schon von weitem hat uns die Sicht auf den Wasserfall enttäuscht. Es war nur ein Rinnsal und wir haben uns entschieden, den 2 stündigen Fussmarsch nicht für diese paar Tropfen auf uns zu nehmen. So sind wir kurzerhand umgedreht und haben stattdessen noch ein Kolibri-Reservat in den Bergen besucht. Dort konnten wir stundenlang die Propellergeräusche der herumfliegenden Kolibris und den seltenen „Langschwanzkolibri“ bestaunen. Obwohl wir von diesem farbenprächtigen Exemplar nur eines zu sehen bekamen. Danach haben wir uns wieder auf den Weg Richtung Küste gemacht.

Der Schlächter
Bei Stefan, einem ausgewanderten Deutschen im ursprünglichen Dörfchen Bagua Chica, konnten wir auf dem Hofplatz übernachten. Der Campingplatz ist noch in Bau und ausser einem WC ohne Türe dafür freie Sicht auf den Hühnerstall und eine Freiluftdusche gibt es eigentlich noch keine Infrastruktur. Das Lavabo für den Abwasch befindet sich in einer kleinen Strohhütte, die ebenfalls als Büro und wie wir später erfahren durften, auch als Schlachthof dient. Nach dem Nachtessen hat es dort drin nämlich plötzlich gegackert und wir konnten erkennen, dass der Schwager von Stefan soeben im Dunkeln ein Huhn geschlachtet hat. Licht hat er nicht angezündet und wir vermuten, dass er wahrscheinlich kein Blut sehen kann. So war dann auch das Lavabo immer noch voller Blut, als wir unsere Zähne putzen wollten. Kurzerhand haben wir dies dann hinter den Büschen erledigt…
Die Nacht war heiss und stickig und so konnten wir trotz unserer Müdigkeit schlecht schlafen. Am nächsten Morgen wurde es schon früh sehr heiß und wir sind nach einer kurzen Katzenwäsche aufgebrochen.

Der Papstbesuch – Piura
Nach langer Fahrt sind wir in Piura auf einem Campingplatz angekommen. An der Bar hatten sich einige Arbeiter versammelt, welche uns sofort ein paar Fleischstücke von ihrem Abendessen anboten, die wir genüsslich verspeisten. Im TV lief gerade der Papstbesuch in Bogota und ein Arbeiter war so emotional, dass er immer wieder „Papa“ gerufen hat und ihm dabei die Tränen über seine Wangen liefen. Nebst ein paar normalen Hunden, waren auch 2 Nackthunde, wie sie in Peru verbreitet vorkommen, herumgelaufen. Diese scheusslichen Dinger haben dann auch Pascal bei einem nächtlichen Toilettengang kräftig angebellt und ich war froh, als Pascal ohne Blessuren wieder zurückkam. Ärgerlich waren auch die unzähligen Raupen, die sich von den Bäumen direkt auf unseren Frühstückstisch abgeseilt haben und sich in sämtlichen Ritzen verkrochen haben. Nach einer ausführlichen Raupenvernichtungsaktion haben wir unsere Sachen zusammengeräumt und haben in der Stadt noch einen Grosseinkauf gemacht. Jetzt sollte es endlich in die wohlverdienten Ferien am Strand gehen.

Die langersehnte Ruhepause – Mancora
Wenn die Hirnmasse bei jedem Schlagloch an die Schädeldecke schlägt und die Bandscheiben bei jeder Kurve schmerzhaft quietschen, ist es Zeit für eine Ruhepause. Ganz nach diesem Motto sind wir Richtung Mancora losgefahren. Doch unsere Auszeit musste nochmals gut verdient werden. Durch die Fluten der letzten Regenzeit war die Strasse in einem wirklich erbärmlichen Zustand. Schlagloch gefolgt auf Schlagloch liessen uns wie Betrunkene auf der Strasse herumkurven. An der Strasse standen ab und zu Männer, die mit Eimern versucht haben die Löcher mit Sand zu füllen. Dafür wollten sie natürlich immer Geld und haben mit den Eimern gefuchtelt, damit man etwas reinwirft.
Dann endlich der erste Blick aufs Meer und das in einer Wüstenlandschaft gelegene Mancora war erreicht. Bei Röbi, einem ehemaligen Arbeitskollegen von Pascal, der inzwischen hier lebt und ein Hotel hat, sind wir untergekommen. Bis 3 Uhr in der Nacht haben wir im Restaurant geplaudert und getrunken bis wir hundemüde in unseren Pepino gekrochen sind. Am nächsten Morgen haben wir dann ein tolles Zimmer mit Terrasse und Meerblick bezogen. Der perfekte Ort, um die Seele baumeln zu lassen, die Blessuren der Holperstrassen zu pflegen und vor allem für Pascal endlich seine Kite-Ausrüstung auszupacken.

Feuer im Dach
Eines Abends hat uns Röbi von den Hausbränden in den letzten Jahren rund um den Malecon (Hafenpromenade) erzählt, und dass es hier in Mancora keine Feuerwehr gibt. Wie ein heraufbeschworenes Omen, hat es nachts um 3 Uhr bei uns an der Zimmertür gepoltert. Wir dachten zuerst, dass sich wohl ein besoffener in der Tür geirrt hat, und haben einfach weitergeschlafen. Als es jedoch nach ein paar Minuten wieder gepoltert hat und jemand „Feuer, Feuer“ geschrien hat, sind auch wir aus den Federn gesprungen. Schlaftrunken haben wir aus dem Fenster geschaut und tatsächlich hat das Palmendach des Nachbargebäudes schon lichterloh gebrannt. Unzählige Helfer haben von allen Seiten versucht das Feuer mit Wasser gefüllten Eimern zu löschen. Eine Feuerwehr ist tatsächlich nicht aufgetaucht. Erst als die „Eimerlöscher“ den Brand einigermassen unter Kontrolle hatten, ist ein Tanklastwagen mit einem mickrigen Gartenschlauch aufgetaucht und konnte so noch die letzten Feuerherde löschen. An diesem Beispiel sieht man wieder mal, dass man sich in einem 3. Weltland befindet. Es fehlt an der einfachsten Infrastruktur in Sachen Sicherheit etc. Ich werde dieses Bild wohl nicht mehr so schnell vergessen, wie die Einheimischen von allen Seiten mit lautem Geschrei und mit Eimern bewaffnet versucht haben gegen das Feuer anzukämpfen.

Weltuntergang
Natürlich haben die Erdbeben in Mexiko auch hier einige Theorien für ein bevorstehendes Erdbeben und einen nachfolgenden Tsunami heraufbeschworen. Verstärkt wurden diese Meldungen vor allem auch noch durch den bevorstehenden Weltuntergang am 23. September. Da diese Meldungen nur über Facebook und dubiose SMS verbreitet wurden, hatten wir nicht allzu grosse Bedenken. Natürlich haben wir uns bei Röbi schon mal informiert, wohin wir bei einem allfälligen Alarm rennen müssen und wie der Alarm ausgelöst wird. Röbi hat dann vorsichtshalber schon mal eine Leiter an den hohen Gartenzaun gestellt, damit wir auf schnellstem Weg in Richtung der Hügel hinter dem Dorf rennen könnten. Wie erwartet, tat sich nichts und wir haben den „überlebten Weltuntergang“ mit einem Pisco Sour gefeiert.:)

Auch in unseren hart verdienten Ferien, mussten wir einige organisatorische Dinge erledigen. So sind wir stundenlang am Berichte schreiben, Fotos aussortieren, Galapagos-Reise planen, die Verschiffung von Pepino bei den Redereien abklären, Versicherungen verlängern und unsere weitere Reise planen. So vergingen die Tage wie im Flug. Zur Belohnung haben wir uns immer ein leckeres Essen, bevorzugt Fisch und Meeresfrüchte, gegönnt. Ceviche (roher Fisch, welcher nur mit Limettensaft angerichtet wird), hat es uns besonders angetan. Einmal konnten wir sogar ein echtes Schweizer Raclette mit Röbis Familie geniessen, was für uns schon ein besonderer Leckerbissen war. Nach der langen essenstechnischen „Durststrecke“ in den Bergen haben wir hier also richtig geschlemmt und unsere in Bolivien verlorenen Kilos wieder zurückgefuttert.
Ab und zu haben sich ein paar Wale nahe an der Küste gezeigt, die prustend auf- und abgetaucht sind. So ist die Vorfreude auf die Tierwelt auf den Galapagos, ein grosser Traum von mir, riesig.

Peru hat uns seine Vielseitigkeit vor Augen geführt. Die fantastische Bergwelt mit den liebevollen und hilfsbereiten Menschen und die Küste unterhalb von Lima mit dem trüben Wetter, den Müllbergen und den düsteren Gestalten. Der Staat Amazonas, dessen grüne Landschaft im Vergleich zur Küste fast blendet und die nördliche Küste mit tollen Stränden, gutem Essen und der tollen Gastfreundschaft. Und wir haben gelernt, dass es neben den viel bewunderten Inkas noch viele andere und ältere Völker in Peru gab, die genauso kulturell begeistern wie das im Vergleich noch sehr junge Volk der Inkas. Es gibt noch viel zu sehen in Peru, doch jetzt zieht es uns weiter Richtung Norden, wo Ecuador und Kolumbien auf uns warten. Die Entdeckungslust ist wieder geweckt und es brennt uns unter den Fingernägeln, unser Zigeunerleben wieder in Angriff zu nehmen.

Bis bald
Jeannette & Pascal

4 Gedanken zu „Urvölker, Ruinen & ein ewiges rauf und runter

  1. Hallo ihr Beiden,
    sind gerade am Bilder schauen und da kam auch das Bild von eurem Besuch bei uns in Curahuasi. Schön wars! Danke auch nochmal für eure Tipps in Sachen Reisen mit dem Auto. Unsere Tour nach Chile und Bolivien hat sich gelohnt.
    Wir wünschen euch ein gutes neues Jahr.
    Nathanael&Isabelle

  2. Happy Börsedei Pasci, ig wünsche Dir nume z’Beschtä vom Guete u ig fröi mi Euch mal wieder z’träffä! Super Fotos u super Brichte! Wiiter so u de hei mier o öppis dervo.
    Bliibed Gsund u suuber!
    ❣⚘🍾🥂😘🎶🍀🦂🐧🍻🎂🍷

  3. Top Bericht von euch👍
    Der Patrol lebt auch noch – offenbar gut gewartet worden in der Kreuzgarage Weber AG😂

    Gute Zeit euch noch und geniesst es weiterhin

  4. Hallo Ihr zwei Abenteurer, ich glaube, dass ich noch kein Wort von Eurer Tour verpasst habe und ich bin Euch sehr dankbar dafür. Damit kommen Erinnerungen auf wo ich gar nicht mehr wusste, dass ich sie habe. Die Bilder sind auch einfach nur Spitze!
    Jetzt kommt die Zeit wo ihr die Möglichkeit habt einen Shamanen zu treffen. Pascal war nie wirklich offen bei einer Ayawasku session mitzumachen. Also habe ich es erst gemacht als er unsere gemeinsame Zeit vorbei war und ich das Glück hatte noch etwas länger zu bleiben. Mach Deinen Horizont auf buddy! Das musst Du mal erlebt haben. Verlieren kannst Du nichts und wenn das Erlebniss für Dich Scheisse war, dann ist das ja auch nicht weiter schlimm. Vergessen werdet Ihr es nie! Mir hat es viel gegeben.
    Ich freue mich darüber zu lesen und vorallem freue ich mich Euch mal wieder zu sehen.
    Liebe Grüsse … Adi

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