Traditionen, Märkte & Strassenblockaden

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Der Grenzübertritt aus Chile war nach ein paar Stempeln da und ein paar Fragen dort schnell erledigt. An der Grenze zu Bolivien standen um die 100 Lastwagen kreuz und quer vor dem Zoll. Irgendwie haben wir uns da durchgezwängt, um direkt vor dem Schaltergebäude zu parkieren. Bei der Imigration ging noch alles ganz fix, doch dann am Schalter für die Einfuhr unseres Autos haben wir wohl die begriffsstutzigste Beamtin aller Zeiten gefunden.

Zuerst wollte sie Kopien von unserem Pass und Fahrzeugausweis. Als Pascal ihr erklärt hat, dass wir auf unserer Reise kein Kopiergerät unter dem Arm tragen und 2 Meter hinter ihr ja ein Kopiergerät steht, meinte sie nur, der sei kaputt. Natürlich haben wir Kopien von den Ausweisen dabei, aber die wollten wir nicht so einfach hergeben. Also ist die junge Beamtin losgezogen, um Kopien anzufertigen. Eine Ewigkeit später kommt sie tatsächlich mit Kopien zurück und hat sogar noch Kopien für uns angefertigt. Dann meinte sie, wir können draussen warten, es dauere 10 Minuten. Nach einer Viertelstunde sind wir zurück zum Schalter. Sie hat immer noch in ihren Computer gestarrt und an ihrem Kugelschreiber herumgekaut. Warum sie „Nissan Patrol“ in Google gesucht hat, war uns ein Rätsel. Aber den Witz welche Farbe unser Auto hat, und wir mit der Standardantwort „Verde sucio“ (grün schmutzig) geantwortet haben, hat sie tatsächlich verstanden… Nach einer Stunde hat sie es tatsächlich geschafft, die 5 Felder mit den relevanten Informationen auszufüllen und auszudrucken. Die Gemüsepolizei hat uns diesmal unseren ganzen Fleischvorrat abgenommen. Gemüse, Milch, Eier hat ihn nicht interessiert. War wohl kein Vegetarier. Wieder haben wir uns durch die Lastwagen gedrängt, um endlich aus der Zollabfertigung herauszukommen.

Nationalpark Sajama

Ein paar Kilometer nach der Grenze sind wir in den Nationalpark Sajama eingebogen, wo uns ein freundlicher Parkranger sogar noch eine Übersichtskarte des Parks ausgehändigt hat. Auf einem Schotterweg ging es bis zum Dorf Sajama am Fusse des höchsten Vulkans in Bolivien mit über 6500 M.ü.M. Dort haben wir eine nette Unterkunft in einer traditionellen Hütte gefunden. Natürlich ungeheizt und saukalt. Aber immerhin haben sie für uns ein warmes Abendessen zubereitet. Danach haben wir uns unter die 5 Zement schweren Wolldecken gekuschelt und haben trotz kalter Nasenspitze tief und fest geschlafen. Nur bewegen konnte man sich unter den schweren Decken nicht und wir sind in der gleichen Position aufgewacht, wie wir eingeschlafen sind.

Nach einer Runde um den Vulkan Sajama sind wir wieder in die Hauptstrasse eingebogen, haben diese jedoch nach ein paar Kilometern wieder verlassen, um statt auf der Hauptstrasse über eine Schotterstrasse nach Oruro zu gelangen.

Der Weg nach Oruro

Doch die Strasse war lange Zeit tip top geteert und wenig befahren. So haben wir die unglaublich schöne Landschaft geniessen können. Doch selbst die Schotterstrassen waren in einem absolut tadellosen Zustand und haben uns durch kleine Dörfer und über hügelige Gegenden geführt. Die Bauern haben überall kleine Felder angelegt, welche sie ohne Maschinen und nur mit Schaufeln bewaffnet bewirtschaften. Doch wir konnten nicht genau erkennen, was sie hier anpflanzen. Alles sah sehr dürr und trocken aus. Des weiteren war nun das Problem, wo wir hier einen Platz zum Übernachten finden sollen. Denn wir wollten ja nicht direkt auf dem Feld eines Bauern parken. Und wo sind wir gelandet? Genau wiedermal in einer Kiesgrube:)

Am nächsten Tag haben wir widerwillig die Stadt Oruro angesteuert. Wir mussten ja irgendwo noch zu Geld kommen, tanken und Essen einkaufen. Natürlich hat sich unser GPS wie immer bei Städten von uns verabschiedet und so sind wir einfach mal Richtung Zentrum losgesteuert. Und da war auch unser GPS wieder bei uns und hat uns prompt in eine Gasse gelotst, wo gerade ein Markt stattfand. So musste Pascal unseren Pepino durch die Marktstände zirkeln und dabei aufpassen, dass unser doch etwas bullige Wagen nicht einen Marktstand abräumt oder eine bolivianische Verkäuferin anrempelt. Irgendwo haben wir in den engen Gassen einen Platz gefunden, um unser Auto kurz abzustellen. Dann haben wir die Banken abgeklappert und tatsächlich bei der 3. Bank haben wir Bolivianos erhalten. Für uns war klar, in dieser Stadt wollen wir nicht mehr länger bleiben und sind deshalb durch die verwinkelten Gassen direkt wieder zum Stadtrand gefahren, wo wir an einer Tankstelle unsere Pepino ohne Probleme mit Diesel getankt haben. Dies ist nicht ganz selbstverständlich in Bolivien. Wenn man in den grösseren Orten Diesel an einer Tankstelle erhält, zahlt man als Ausländer schon mal das 3-fache. Aber dies ist der beste Fall. In kleineren Orten kann es schon mal passieren, dass man als Ausländer keinen „Most“ bekommt. Wir sind also gespannt, was uns hier betreffend Tanken noch alles erwartet…

Popoo

In Popoo haben wir das einzige Hotel weit und breit gefunden. Der Ort wäre eigentlich ganz hübsch und überall lauern Fotomotive. Doch leider war Samstag und es schien, dass sämtliche männlichen Einwohner sturzbetrunken sind. Auf der Suche nach etwas Essbarem sind wir an einer alten Frau vorbeigekommen, die genüsslich ein paar Nüsse futterte. Sie fragte uns, was wir suchen. Als wir sagten, ob es ein Restaurant gäbe, meinte sie nur: „No hay“ (Gibt’s nicht) und hat weiter ihre Nüsse gefuttert. So haben wir es bei einem kleinen Dorfrundgang belassen und sind zurück in unser Zimmer, wo wir uns mit einer warmen Suppe zufrieden geben mussten.

Uyuni

Die Strecke bis Uyuni war in einem tadellosen Zustand und wir konnten mit unseren gemächlichen 80 km/h die Fahrt geniessen. Uyuni ist eine ziemlich dreckige Stadt und der eisige Wind lässt einem schnell frösteln. Doch irgendwie hat diese Stadt mit ihren Dreckstrassen auch ihren Charme, aber man muss schon ein wenig Staub und Dreck schlucken. Am Sonntag wird der ganze Müll aus den Haushalten mitten in der Kreuzung deponiert und der Müllberg dient bis die Müllabfuhr kommt, als Kreisel. Natürlich versammeln sich auch sämtliche Hunde der Stadt rund um den Müll, um darin zu wühlen. Was der Wind nicht in die Gassen weht, wird jedoch tatsächlich irgendwann in der Nacht abgeholt. In einem netten Hostel, welches von einer Schwedin und einem Bolivianer geführt wird, sind wir für 2 Nächte untergekommen. Zum Frühstück gab es reichlich Früchte und Pancakes, ein wahrer Festschmaus. Auch hat der Besitzer am Abend gleich noch ein paar Kollegen eingeladen, die als Guide rund um Uyuni tätig sind. So konnten sie uns noch ein paar Tips geben betreffend Salar und Lagunenroute. Bevor wir auf die Salar de Uyuni fahren konnten, mussten wir unser Proviant wieder auffüllen. Dies ist in Bolivien nicht so einfach wie bei uns. Man muss schon ein paar kleine Läden aufsuchen, bis man das Nötigste beisammen hat. Der eine hat Milch, aber kein Brot, der andere hat Wasser aber kein Fleisch etc. Witzig sind auch die Läden, bei denen man vor einem Gitter steht und einfach hineinrufen muss, was man will. Die Auslage kann man nur spärlich erkennen, und Spontankäufe sind so ausgeschlossen. Erstaunlicherweise finden sie jedoch immer irgendwo in einem Regal, was man gerade sucht. Schlussendlich hatten wir unser Proviant für 2-3 Tage zusammengewürfelt und waren bereit für die Salar de Uyuni.

Salar de Uyuni

Geronimo, der Besitzer des Hostels, hat uns zum Abschied einen leckeren Apfelkuchen gebacken. Dankend haben wir diesen mit auf unsere Reise auf den höchsten Salzsee der Welt genommen (3600 M.ü.M.). Zum Glück war der Salzsee schon bei der Einfahrt in Cholchani einigermassen trocken. Schon bald sind wir gemächlich über das Salz gedüst und haben mit den „Hooters“ im Ohr die unwirkliche Gegend bestaunt. Natürlich hat auch uns das Fotofieber gepackt. Und nach ein paar Stunden hüpfen, springen und Sujet positionieren, sind wir zu unserer geplanten Übernachtungsstelle der Isla Inca Huasi gefahren. Ausser ein paar Touren-Autos war weit und breit wieder einmal kein Reisender zu sehen. Etwas verunsichert haben wir bei einem alten Mann nachgefragt, ob wir hier im Auto übernachten können. Er hat zwar gemeint, dass es aber bitterkalt werde in der Nacht, aber möglich sei es schon. Da wir inzwischen schon sehr kalte Nächte in unserem Pepino verbracht haben, hat uns das aber nicht eingeschüchtert. In dem kleinen Restaurant auf der Insel konnten wir in der kalten Stube noch ein Nachtessen bestellen und haben den Sonnenuntergang über der Salar bestaunt. Danach haben wir dick eingepackt und unter unseren Decken eine wohlig warme Nacht verbracht. Am Morgen, sind wir aus unserem Pepino gekrochen und die bereits anwesenden Tour-Touristen haben ziemlich doof geguckt. Mit einem warmen Kaffee im Magen, haben wir noch die Insel mit ihren unzähligen Kakteen bestiegen und sind dann wieder hinausgefahren in das unendliche Weiss. Mitten auf der Salar haben wir unsere Stühle ausgepackt und haben den leckeren Apfelkuchen genüsslich verspeist. Dann hiess es bereits wieder Abschied nehmen von dieser tollen Gegend und wir sind zurück nach Uyuni gefahren.

Lagunenroute

Die Lagunenroute führt von Uyuni in den südlichsten Zipfel von Bolivien und ist fernab von befestigten Strassen und Zivilisation. Da es anfangs Juni geschneit hat, wussten wir, dass die Laguna Verde wegen Schnee gesperrt ist. Die Vorfreude auf die tollen Lagunen wurde jedoch schon nach 100 Km geschmälert. Die Wege waren in einem erbärmlichen Zustand, doch die Tour-Autos sind uns in hohem Tempo entgegen gerast und haben gefährlich geschlingert. Irgendwo auf 4200 M.ü.M. haben wir einen guten Übernachtungsplatz hinter ein paar Felsen gefunden, wo wir uns vor Sonnenuntergang noch eine warme Suppe zubereitet haben. Am Morgen, als wir gemütlich beim Frühstück in der wärmenden Sonne sitzen, wird uns klar, dass wir uns wieder mal einen Platz ausgesucht haben, den Touristen als Attraktion besuchen. Nachdem auch Pepino genug Sonne getankt hatte, bei den kalten Temperaturen und auf dieser Höhe springt er sonst nicht an, haben wir uns weiter durch die tolle Landschaft gekämpft. Da wir nur 40 Liter Reservetanks dabei haben, haben wir auf Raten des Guides im Hostel eine Abkürzung von der üblichen Route gewählt. Diese Route war zwar kürzer, aber keinesfalls schneller, da wir uns schlussendlich in einem besseren Trampelweg wiedergefunden haben. Nach unzähligen Hügel- und Bachüberquerungen haben wir kurz vor Sonnenuntergang die rot eingefärbte Laguna Colorada mit den unzähligen Flamingos erreicht. Das Wetter schien nicht mehr ganz so toll und dicke Wolken haben sich über die Berggipfel geschoben. Der Ranger hat uns jedoch versichert, dass es nicht schneien werde. Doch auf diese Aussagen verlassen wir uns schon lange nicht mehr. Die 4 Stunden Fahrtangaben bis zur Lagune Colorada hat bei uns 2 Tage gedauert und dass die Strasse gut sei, ist ebenfalls eine Standardantwort. In einer kleinen Unterkunft am See konnten wir zumindest unsere Suppe windgeschützt zubereiten. Ein Franzose, der von Ushuaia nach Alaska zu Fuss läuft, war der einzige Tourist weit und breit. So haben wir uns noch nett mit diesem Abenteurer unterhalten und sind mit einem etwas mulmigen Gefühl in unsere Schlafsäcke gekrochen. Auf 4500 M.ü.M. und weitab von der Zivilisation wollten wir nicht eingeschneit werden.

Am Morgen waren die dicken Wolken immer noch da und wir haben uns auf den Rückweg nach Uyuni gemacht. Sämtlichen anderen Routen zu den heissen Quellen, Lagunen und dem Arbol de Piedra waren wegen Schnee geschlossen. Da unser Tank noch gut gefüllt war, haben wir für den Rückweg den üblichen Weg gewählt. Gegen Abend haben wir in einem kleinen Dorf den Ranger von der Lagune wieder angetroffen. Als wir ihn gefragt haben, wie die weiteren Strassenverhältnisse seien, meinte er, dass es jetzt wirklich nur noch super sei. 2 Km später stehen wir vor einem grossen, tiefen Fluss. Eine wirklich tolle Strasse….:) wir haben gerätselt wo wir hier wohl am Besten durchfahren sollen. Wir haben Steine geworfen und den Fluss inspiziert. Doch wir wurden uns nicht schlüssig. Pascal wollte schon seine Schuhe ausziehen und sich ins eiskalte Wasser wagen, als zum Glück ein Touren-Auto anbraust. Mit Adleraugen haben wir beobachtet, wo er durchfährt, um uns dann auch ins Wasser zu wagen. Pepino ist zwar bis zum Türrand im Wasser versunken, aber er hat sich durchgekämpft. Kurz vor Eindunkeln mussten wir in Soniquera, einem Dörfchen mitten im Niemandsland, unser Nachtlager aufschlagen. Hinter der Sporthalle haben wir unser Auto geparkt und ein Sandwich verschlungen. Erstaunlicherweise war die Nacht sehr ruhig und keiner hat sich um uns gekümmert. Für unser Frühstück haben wir wieder die Felsen von unserem ersten Nachtlager aufgesucht und haben die wärmenden Sonnenstrahlen in uns aufgesogen. Gut gestärkt sind wir dann zurück nach Uyuni gerumpelt. Völlig erschöpft von der anstrengenden Fahrt haben wir uns ein Hotel mit heissem Wasser gegönnt.

Höllenritt nach Tupiza

Nach der Besichtigung des Zugfriedhofs in Uyuni haben wir uns auf den Weg nach Tupiza gemacht. Nachdem wir uns versichern liessen, dass die Offroadstrasse nach Tupiza (200 km) gut sei und wir den Umweg über Potosi (500 km Asphalt) nicht machen müssen, sind wir mit viel Hoffnung gestartet. Anfangs war die Strasse noch asphaltiert. Und wir freuten uns über jeden Kilometer, den wir ohne rütteln hinter uns bringen konnten. Danach war die Strasse mit dem üblichen Wellblechbelag ausgestattet und hat uns so richtig durchgerüttelt. Aber in Bolivien immer noch ok. Doch irgendwann sind wir mitten in Sanddünen gelandet und wir schlingerten mit 4×4 durch den weichen Sand. Da hatte ich eigentlich schon genug des Abenteuers, denn hier wollten wir auch nicht stecken bleiben. Doch das Abenteuer stand uns noch bevor. Nach ca. 100 km fahren wir an eine Baustelle. Was wir da noch nicht wussten, diese Baustelle war im ganzen 100 km lang und von da an waren wir nur noch auf Umleitungen unterwegs. D.h. in Bolivien, auf halsbrecherischen Trampelpfaden mit Gegenverkehr inkl. öffentliche Busse die um die Ecke schiessen. Eine Umleitung hat uns ca. 40 Km durch ein Flussbett geleitet. Die unzähligen Wasserüberquerungen haben bei mir so einige Schweisstropfen verursacht. Doch dann ein kleiner Hoffnungsschimmer. Asphalt in Sicht!!! Jetzt waren wir wieder guten Mutes, dass wir es bis Tupiza schaffen. Doch da haben wir die Rechnung nicht mit Bolivien gemacht. Denn der Asphalt war schon nach wenigen Kilometern wieder fertig und wir haben uns wieder den Berg hinauf und herunter über halsbrecherische Schotterwege gemacht. Langsam wurden wir etwas unsicher und die Sonne war auch schon hinter den Hügeln versunken. Wäre alles kein Problem, wir können auch nochmal irgendwo campieren. Aber dies war ein Ding der Unmöglichkeit, da es links uns rechts von der Strasse steil abfiel. Eigentlich sind wir grösstenteils auf einer Krete gefahren. Die Dunkelheit ist über uns hereingebrochen, aber es gab kein zurück mehr. Irgendwie mussten wir die 40 Km bis Tupiza hinter uns bringen. Endlich ging es bergab und so sind wir im Schritttempo den Hang hinunter gerumpelt, um wieder einmal durch eine Umleitung in ein Bachbett geführt zu werden. Im Dunkeln haben wir versucht die Spuren zu sehen und haben die unzähligen Wasserdurchquerungen auf gut Glück und mit Anlauf genommen. Endlich sehen wir ein paar Lichter. Das muss ein Dorf sein. Doch auch dieses sollte uns kein Glück bescheren. Eine Barriere hat uns aufgehalten und eine junge Frau hat von uns 10 Bolivianos für die Durchfahrt verlangt. Jetzt war es aber genug und Pascal hat der Frau deutlich erklärt, dass es eine Frechheit sei, für diese 100 km lange, lebensgefährliche Baustelle auch noch Geld zu verlangen. Naja, die 10 Bolivianos haben wir dann bezahlt, aber wenigstens konnten wir etwas Dampf ablassen. Im Dunkeln sind wir von Umleitung zu Umleitung gekrochen und unsere Knochen taten von dem verkrampften Festhalten schon ganz weh. Plötzlich sehen wir einen Mann am Strassenrand liegen und wir wären ihm noch fast über die Füsse gefahren. Dies ist ein weiterer Grund, warum man in Bolivien in der Nacht nicht fahren sollte. Die Besoffenen legen sich gerne auf den Asphalt, da dieser etwas Wärme vom Tag abstrahlt. Dieser Besoffene hat offensichtlich nicht mal gemerkt, dass er sich auf eine Schotterpiste gelegt hat…

Völlig erschöpft sind wir in Tupiza angekommen, haben im Hostel eingecheckt und sind todmüde in die Federn gesunken.

Tupiza

Gut ausgeschlafen haben wir am ersten Tag nur einen Stadtrundgang gemacht und einen Hügel mit toller Aussicht über die Dächer von Tupiza bestiegen. Die Stadt liegt in einem Tal umgeben von vielfarbigen Felsen, die in der Sonne leuchten. Tags darauf haben wir eine kleine Wanderung in die Felsen gemacht. Natürlich sind hier die Wanderwege weder beschildert noch für Touristen ausgerichtet. Doch nach einigem Suchen haben wir den richtigen Pfad gefunden. Der „Wanderweg“ hat uns direkt in die städtische Müllhalde geführt. Zu erwähnen ist hier, dass kurz vorher noch ein Schild mit der Aufschrift „Prohibido botar basura“ (Abfall hinwerfen verboten) stand. Lachend und doch etwas verwirrt sind wir durch die stinkenden Berge „gewandert“. Bald darauf sind wir weg vom Müll gekommen und konnten die farbigen Felsen ohne üblen Geruch in der Nase geniessen. Nach 4 Stunden durch Felsformationen und Kakteen, die an den Wilden Westen erinnern, haben wir unsere müden Beine mit einer HEISSEN Dusche verwöhnt und haben unsere morgige Fahrt vorbereitet. Die kürzere Strecke (200 km) wurde von anderen Reisenden als „Nahtoderfahrung“ beschrieben und wir haben uns deshalb entschieden den längeren (500 km) Weg über Potosi zu fahren. Mal schauen, ob uns diese Strasse mehr Glück bringt als die letzte.

Tarija

Nach 2 Tagen Berg- und Talfahrt über Asphalt und durch eine tolle Landschaft sind wir im sonnenverwöhnten Tarija (1850 M.ü.M.) angekommen. Dort haben wir uns bereits ein paar Tage vorher mit Betty und Beat Roth-Wildschek (Betty war mit mir im Turnverein vor vielen, vielen Jahren) verabredet, welche extra aus Paraguay wieder zurück nach Bolivien gefahren sind, um uns zu treffen. Mitten auf der Strasse sind wir uns begegnet und sind winkend aneinander vorbeigefahren. Nach einem kurzen Stelldichein am Strassenrand sind wir gemeinsam zu einem kleinen Campingplatz gefahren. Als Überraschung haben die beiden Schweizer Käse und Bratwürste für unser erstes Abendessen von einem Schweizer in Paraguay mitgebracht. Eine selbstgemachte Rösti mit Bratwurst war für uns ein wahres Festessen. 2 Tage haben wir stundenlang Geschichten ausgetauscht und unser Motto lautete „Nume nid drischüsse“. Am 3. Tag sind wir gemeinsam in die Stadt gefahren und haben den riesigen, lokalen Markt besucht. In den unzähligen Marktständen hätte man sich leicht verirren können. Es gab haufenweise Gemüse, Früchte und Fleisch. Letzteres haben wir aber wohlweislich nicht gekauft und haben es den Fliegen überlassen. Nur schon der Geruch ist nichts für sensible Mägen… Gut eingedeckt mit frischen Esswaren haben wir abends ein leckeres Gemüsecurry gekocht. Am nächsten Tag haben wir uns ins Valle de Concepcion aufgemacht, um den höchsten angebauten Wein (2000 M.ü.M.) zu degustieren. Doch schon kurz nach der Stadt wurden wir jäh von einer Strassenblockade gestoppt. Da ja nie jemand sagen kann, wie lange diese Blockaden dauern, haben wir kurzerhand umgekehrt und haben eine der grössten Bodegas in der Stadt (Kohlberg) für ein Winetasting besucht. Nach einer kurzen Führung durch die Stahltanks wurde uns nicht mal ein Glas zum Probieren angeboten. So sind wir etwas enttäuscht und „durstig“ wieder abgezogen. Doch wir wollten nichts unversucht lassen und haben uns am nächsten Morgen wieder auf den Weg ins Valle de Concepcion gemacht. Zuerst wollten wir die Strecke über eine Offroadstrasse hinter uns bringen. Beat und Betty mit ihrem „Friedli“ voraus und wir hinterher. Nach ein paar Kilometern mussten wir jedoch aufgeben, da die Strasse wieder ziemlich übel aussah und steil bergauf ging. Pascal und ich haben inzwischen ein wenig den Offroadkoller, weshalb wir uns entschieden haben wieder umzukehren. Auf gutem Asphalt haben wir schliesslich ohne Strassenblockade das verschlafene Dorf erreicht. Nach einem leckeren Mittagessen haben wir eine wunderschöne Bodega besucht und wurden gleich ins nächste Winetasting eingeschleust. Mit etwa 30 anderen Personen standen wir im Kreis in einem Raum und die Gläser wurden einfach von einem zum anderen weitergereicht. Natürlich haben wir zuerst etwas die Gesichter verzogen, da wir die letzten waren, die das Glas überreicht bekamen. Lachend haben aber auch wir am Glas genippt. Mit dem letzten Glas wurde noch ein Singani-Schnaps herumgereicht, mit welchem wir unsere Lippen und Münder gut desinfiziert haben…

Danach sind wir noch zu einer kleineren Bodega gefahren, wo wir schlussendlich auch in unseren Autos übernachten konnten. Diese Bodega geht wohl als „schrägste“ Bodega in die Geschichte ein. Zuerst wurden wir zu ein paar Schildern geführt und unser Guide meinte nur: Könnt ihr lesen. Danach wurden wir in ein Museum gebracht. Und was erwartet man von einem Museum in einer Bodega? Genau, alte Maschinen und Utensilien für den Weinanbau. Stattdessen wurden wir in ein Gruselkabinett mit eingelegten Schlangen, Föten, Tierfellen, alten Schreibmaschinen und viel staubiges Zeug geführt. Immer noch guten Mutes, dass wir wenigstens hier noch einen Schluck Wein bekommen, haben wir dies alles noch lachend über uns ergehen lassen. Doch dann wurden wir tatsächlich noch zu einem „Love-Tunnel“ gebracht. Die Einheimischen fanden dies alles sehr lustig und so sind auch wir in diesen Tunnel gekrochen. Doch ausser ein paar Weihnachtslimetten die von der Decke hingen, war in diesem Drecksloch nichts. Nach ca. 50 Meter sind wir ungläubig wieder ans Tageslicht gekommen und haben uns gefragt, was das jetzt genau war. Danach durften wir noch ein paar schäbige Plastiktanks und verstaubte Flaschen anschauen und die Führung war zum Glück vorbei. Unser Guide wusste nicht mal wie viele Hektaren sie bewirtschaften. Auf die Frage hin, wie viele Flaschen sie abfüllen, meinte sie nur salopp: „Das was du hier siehst.“ Nach dieser sehr „lehrreichen“ Führung durften wir aber tatsächlich noch ein paar Weine probieren. Aber auch diese zuckersüssen Weine haben sich als Enttäuschung entpuppt und haben unsere Gaumen mehr schockiert als mit Genuss bereichert.:)

So haben wir einen friedlichen Abend genossen und sind allesamt mit Kopfschmerzen von diesem grässlichen Gesöff schlafen gegangen.

Den letzten gemeinsamen Tag haben wir bei über 30 Grad im Schatten auf dem Campingplatz verbracht. Schon früh morgens haben sich Betty und Beat von uns verabschiedet und sind zurück nach Paraguay gedüst. So blieben Pascal und ich zurück und haben noch einen weiteren „Plägertag“ eingelegt. Wir sind zwar noch kurz zum Markt gefahren, um frisches Gemüse einzukaufen und ein paar Ersatzteile fürs Auto zu suchen, aber den Rest des Tages haben wir nochmals die Hitze genossen. Denn unser Weg führt uns ja wieder in die Berge, wo die Temperaturen nicht mehr so angenehm sein werden.

Sucre

Über Potosi, eine Minenstadt wo schon die Spanier Silber abgebaut haben, sind wir auf guter Strasse bis Sucre gefahren. Kurz vor Sonnenuntergang sind wir beim Campingplatz in der Nähe des Zentrums angekommen. Diese Plätze findet man nur mit Insiderwissen, da diese weder beschriftet sind und auch keine Tafel draussen hängt. So muss man einfach mal aufs gerate Wohl an ein Tor hämmern und hoffen, dass jemand öffnet. Glücklicherweise war Felicidad gerade auf dem Platz und hat uns freundlich empfangen. Für uns ist dieser winzige Platz perfekt, da wir unseren Pepino mitten in der Stadt sicher stehen lassen können. Es hat ein WC mit Dusche und sogar eine kleine Küche die wir benutzen können. Für die kalten Abende kann man sich in einen geschützten Raum begeben und muss nicht draussen in der Kälte sitzen. Wieder einmal waren wir mutterseelenallein auf dem Platz. Nicht einmal ein Hund hat uns Gesellschaft geleistet. Doch dies sollte sich bald ändern. Am nächsten Morgen fahren doch tatsächlich unsere Freunde aus Finnland, die wir auf dem Paso de Jama getroffen haben und bei welchen wir in der kalten Nacht auf dem Pass Unterschlupf gefunden haben, durchs Eingangstor. Ein lustiges und unerwartetes Wiedersehen. Am Abend darauf sind wir zusammen zu einer Tanzshow mit Abendessen gegangen und haben die unterschiedlichsten Tänze von Bolivien bestaunt, welche starke afrikanische und spanische Einflüsse haben. Tags darauf sind wir noch auf einen hübschen Aussichtspunkt gegangen und haben in der Sonne ein kühles Bier getrunken. Das charmante Sucre mit den weissen Kolonialbauten kann definitiv dazu verführen, länger in einer Stadt zu bleiben. So geniessen wir die warmen Tage, den Markt mit dem frischen Gemüse und den verführerischen Früchten und die entspannte Atmosphäre. Inzwischen haben sich noch ein junges spanisches Paar zu uns gesellt mit ihrem Hund Perito. Diesen haben sie unterwegs „adoptiert“. Neben diesen grossen Campervans sieht unser Pepino ziemlich klein aus und uns wird dadurch immer wieder bewusst, wie wenig wir eigentlich wirklich brauchen. Trotzdem schauen wir uns die umgebauten Camper immer gerne an und holen uns Ideen für weitere Reisen:)

Jeden Tag wurde der Platz voller. Es hatten noch 2 deutsche Autos mit Dachzelt und ein Schweizer Pärchen aus Bern Platz. Aber dann war wirklich jeder Meter ausgenutzt. Umso lustiger vergingen die Tage und Nächte. Es wurde viel geschwatzt und gelacht. Eine lustige Runde und viele tolle Gespräche.

Tarabuco

Am Sonntag findet immer ein grosser Markt in Tarabuco statt. Ein kleines Dorf ca. 80 Km von Sucre entfernt. So haben wir uns zusammen mit den Spaniern schon früh morgens aufgemacht, diesen lokalen Markt zu besuchen. Wir sind durch die Gassen geschlendert und haben die unzähligen farbigen Stände bestaunt. Schön war hier auch, dass die Einheimischen von Nah und Fern ebenfalls auf diesem Markt einkaufen und verkaufen. Ob dies nun Webereien, Schuhe, Kleider oder eben auch Tiere sind. Egal in jeder Gasse findet man, was das Herz begehrt. Bei einem Stand haben wir uns eine Portion Pollo genehmigt. Doch diese sollte mir schon bald ein kleines Problem bescheren und ich musste widerwillig das Baño Publico aufsuchen. Dies versuche ich in Bolivien stets zu vermeiden, da diese „Löcher“ meist ohne Wasser und nicht ganz so gemütlich sind. Doch ich hab es überlebt und mein Magen hat sich auch schon wieder beruhigt.

Maragua

Nach 8 Tagen ausspannen in Sucre haben wir uns zum Vulkan Krater Marugua aufgemacht. Eine unglaublich schöne Strecke, die bis zur Hälfte sogar asphaltiert ist. Danach waren die Pisten zwar aus Kies, aber immer noch ziemlich gut. In Bolivien werden momentan unglaublich viele Strassen gebaut. So auch diese Verbindungsstrasse mit Oruro. So fuhren wir durch riesige Baustellen, aber die Umgebung war so traumhaft, dass wir diese teilweise einfach ausgeblendet haben. Doch plötzlich sehen wir eine Autokolonne stehen. Das soll nichts gutes heissen und so war es dann auch. Ein Tieflader mit 2 Baustellenwalzen geladen war in einer Kurve festgefahren. Natürlich ging ein bolivianisches Gewusel los und jeder wusste besser was zu tun ist. Irgendwann nach einer Stunde hatten Sie es mit einem Bagger geschafft, den LKW soweit auf die Seite zu schieben, dass wir wenigstens passieren konnten. Weiter ging es den Hügel hinauf und wieder hinunter, bis wir zufällig auf einem winzigen Schild den Abzweiger nach Maragua sehen. Doch irgendwie waren wir uns nicht ganz sicher, ob wir hier noch richtig sind und so hat sich Pascal auf den Weg gemacht, einen alten Bauern weiter unten zu fragen. Wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits auf 4200 M.ü.M., was solche Ausflüge zu Fuss etwas langatmiger machen. Schnaufend hat mir Pascal dann berichtet, dass der alte Bauer den von uns eingeschlagenen Weg bestätigt hat und dass Morgen im Kraterdorf eine grande Fiesta stattfindet. Nichtsahnend sind wir also zum Kraterrand geholpert und haben uns auf die halsbrecherische Abfahrt in den Krater gemacht. Dies benötigte von Pascal doch ein bisschen Augenmass, da die Piste teilweise sandig und sehr sehr eng war. Die steilen Abgründe haben natürlich bei mir wieder mal einige Schweisstropfen produziert. Doch am Ende sind wir wohlbehalten und kurz vor Sonnenuntergang am Kratergrund angekommen. Empfangen hat uns ein düsteres, dreckiges Dörfchen und wie so oft, war die Männerwelt schon wieder wacker am saufen. Etwas Unbehagen ist da bei uns schon aufgekommen, aber wir hatten ja in unserer App gelesen, dass es hier ein gutes Hostel mit Camping Möglichkeit gibt. Auf Nachfragen, wo den dieses Hostel sei, meinte ein Einheimischer nur, dass dieses im anderen Maragua ca. 60 Km entfernt sei. In diesem Maragua gäbe es keine Übernachtungsmöglichkeiten und morgen steige hier eine grande Fiesta. Na toll, jetzt sitzen wir hier in einem „Drecksloch“ und die Dunkelheit hat zur Sympathie für dieses Dorf auch nicht positiv Einfluss genommen. So haben wir uns trotz Einbruch der Nacht entschlossen, diese halsbrecherische Strecke wieder nach oben in Angriff zu nehmen. In den engen Gassen ist uns dann auch noch ein Trauerzug entgegengekommen, welchem wir in letzter Sekunde zum Glück noch ausweichen konnten. Sonst wären wir wahrscheinlich noch länger da unten gestrandet. Das gute bei Nacht eine solche Strecke zu fahren ist nur, dass man die Abgründe erst gar nicht sieht und der Gegenverkehr, falls er dann mit Licht fährt, schon von Weitem sichtbar ist. Auf ca. 4200 M.ü.M. waren wir endlich wieder aus dem Loch auferstanden und haben im Dunkeln gleich neben der Strasse auf einem flachen Stückchen unser Nachtlager aufgeschlagen. Als wir gemütlich eine Suppe kochen, wird uns jedoch bewusst, dass diese Strasse wohl auch Nachts ziemlich gut befahren ist. So hat jedes Auto angehalten und gefragt, ob alles Ok sei. Ein wohl schon ziemlich betrunkener Fahrer hat dann Pascal auch sofort die Schnapsflasche hingehalten. Doch Pascal hat dankend abgelehnt:) Eine unruhige Nacht hat uns den Schlaf geraubt. Mit den ersten Sonnenstrahlen haben wir uns aus dem Auto geschält und haben erst mal Kaffee gekocht. Immer wieder sind ganze Minibus-Ladungen an uns vorbeigefahren und jeder hat zum Fenster rausgerufen, wir sollen uns beeilen, das Fest im Kraterloch beginnt gleich. Natürlich haben wir immer freundlich gewunken und gesagt, dass wir gleich nachkommen. Ganze Heerscharen von Menschen haben sich aus allen Ecken zu Fuss auf den Weg zum Kraterdorf gemacht. Irgendwo aus dem Nichts ist auch noch ein Schafhirt aufgetaucht, der zwar mit uns geredet hat, aber wir kein Wort verstanden haben. Entweder lag es daran, dass er nur in der einheimischen Sprache gesprochen hat oder daran, dass er keine Zähne mehr hatte. Wir wissen es nicht.

Eigentlich wollten wir nochmals bei Tageslicht zum Krater fahren, aber als wir gesehen haben, dass wir mit soviel Gegenverkehr rechnen mussten, haben wir diesen Plan verworfen und sind unverrichteter Dinge wieder Richtung Sucre aufgebrochen. Diesmal wurde der Weg auch nicht von einem LKW versperrt und wir sind am Nachmittag wieder auf dem Campingplatz angekommen, wo wir von den verbliebenen Campern herzlich Willkommen geheissen wurden. Am nächsten Morgen haben wir uns endgültig von allen verabschiedet und haben uns Richtung Cochabamba aufgemacht. Sucre wird uns in guter Erinnerung bleiben und irgendwie war dieser Platz ein bisschen unser zu Hause für ein paar Tage.

Misque – Cochabamba

Von Sucre ging es jetzt stetig im Zick-Zack runter, so dass wir schlussendlich lange in einem fruchtbaren Tal, wo wohl auch all die Früchte auf dem Markt herkommen, entlangfuhren. Immer wieder sind wir durch kleine Dörfer gekommen und da kommt es auch mal vor, dass ein Hund die Sau jagd und wir eine Vollbremsung machen müssen. Die Bevölkerung am Strassenrand hat sich köstlich amüsiert… In Misque haben wir einen kleinen Campingplatz auf einem Bauernhof angesteuert und konnten inmitten von Hühnern und Kühen übernachten. Als wir angekommen sind, lag gerade eine halbe Kuh auf dem Tisch, welche die Frauen zerlegt haben. Lucio der 2-jährige Sohn der Familie hat uns wunderbar unterhalten und uns viel über seine Tiere, seine Autos und seine Plantagen erzählt. Ein richtig kleiner Tausendsassa.

Cochabamba ist eine der aufstrebenden Städte in Bolivien. Wie so oft in Südamerika muss man immer mitten in die Stadt fahren. Umfahrungsstrassen kennen sie einfach nicht. So haben wir uns durch den dichten Verkehr gewühlt und waren froh, als wir endlich wieder auf der Schnellstrasse waren. Doch diese Freude wurde schon bald wieder getrübt, da auch hier die Strasse neu gebaut wird. So haben wir uns wieder einmal von Umleitung zu Umleitung auf Schotterstrassen begeben. Da wir die Strecke bis La Paz nicht an einem Tag schaffen konnten, haben wir in einem Städtchen kurz vor der Autopista nach La Paz eine Unterkunft gesucht. Der Plan in einem Hinterhof eines Hostels zu campieren mussten wir wegen zu viel Müll und Hundescheisse im Hinterhof verwerfen und haben dann ein winziges und völlig überteuertes Zimmerchen genommen. Das Zimmer war nicht nur winzig, sondern auch direkt auf die Hauptstrasse ausgerichtet und die Fenster waren so undicht, dass man gerade so gut im Freien übernachten kann. Der einzige Vorteil war, dass wir so früh aufgestanden und Richtung La Paz losgedüst sind.

La Paz

In La Paz sind wir auf einem kleinen Campingplatz im Hinterhof vom Hotel Oberland etwas ausserhalb der Stadt untergekommen. Der Besitzer Walti ist ein Schweizer, der seit 25 Jahren in La Paz lebt. Neben uns war noch ein junges Pärchen aus Bern, ein Paar aus Zürich und ein Österreicher. Obwohl es immer noch Juli war, wurde am Abend im Hotel eine kleine 1. August Feier für Auslandschweizer veranstaltet und so haben wir uns ein echtes „Züri Gschnätzlets“ gegönnt. Sogar ein Feuerwerk haben sie in den Himmel geschossen und die 1. Augustrede von Doris Leuthard wurde durch einen Lautsprecher übersetzt. Natürlich wurde auch die Nationalhymmne gespielt, aber diese konnte wohl keiner der Auswanderer mehr mitsingen.

Pascal und ich haben uns mit dem Ösi im Schlepptau am nächsten Morgen ins Stadtgewühl mit einem Taxi gewagt. Zum Glück mussten wir uns nicht mit dem eigenen Auto in dieses Chaos begeben. Im Zentrum haben wir das Kokain-Museum besucht und einiges über die Geschichte des Koka-Anbaus und seine Auswirkungen erfahren. So wurden z.B. Früher die Minenarbeiter teilweise mit Kokablättern bezahlt, damit sie leistungsfähiger bleiben und die bis zu 48-Stunden Schichten durchstehen. So sieht man auch heute noch viele Arbeiter mit dicken Backen, die auf Kokablättern kauen. Danach haben wir noch ausgiebig in den unzähligen Läden nach Stoffen für zu Hause gesucht und sind wieder mit dem Taxi in die kleine Oase im Hotel Oberland zurückgekehrt. Am Abend haben wir alle zusammen den Grill eingeheizt und mit Würsten, Salaten und ein bisschen Wein den Abend genossen.

Am 2. Tag in La Paz haben wir alle zusammen einen Guide gebucht. Gerd ist ein Deutscher, der seit 36 Jahren in La Paz wohnt. So sind wir mit den Seilbahnen hoch über La Paz geschwebt und konnten das Getümmel unter uns in Ruhe betrachten. Eine Seilbahn, es sind insgesamt 4 Stück, hat uns zum Sonntagsmarkt in El Alto gebracht. Auf diesem Markt findet man einfach alles. Lebendigen Tiere, farbige Stoffe, Hosenknöpfe, Kleider, Gemüse, Früchte und auch Autos. Hier sind auch die Schamanen in ihren kleinen Hütten ansässig, die einem bei jeglichen Problemen helfen können. Die Stadtführung war nicht eine ganz normale Stadtführung mit vielen Jahreszahlen und Gebäudebesichtigungen. Gerd hat viel aus dem Nähkästchen erzählt. So auch die Geschichte der mannsgrossen Puppen, die man in El Alto überall an den Strassenlaternen sieht. Diese sind als Warnung an Diebe gerichtet. Wo eine Puppe hängt, gibt es sozusagen eine Nachbarschaftspolizei. Falls diese einen Dieb oder Einbrecher erwischt, wir der brutal zusammengeschlagen und dann angezündet. Bis die „echte“ Polizei eintrifft, ist der Spuk vorbei und der Dieb nur noch Asche. Selbstjustiz also, die bis heute so geduldet wird oder noch keiner verhindern konnte.

Wie die neuen Strassen in Bolivien sind auch die Seilbahnen vom derzeitigen Präsidenten Evo Morales gebaut worden. Evo ist in Bolivien allgegenwärtig und sein Name prangert auf vielen Häusern, Felsen und Mauern entlang der Strassen. Er setzt auch gegen den Willen vieler Wähler sehr viele Dinge einfach durch, ob diese nun protestieren oder nicht. Das neuste Projekt, der neue Präsidentenpalast, ist ein hässliches Hochhaus mitten in der Altstadt von La Paz. So „erfreut“ nun ein hässlicher Klotz die Sicht auf die alten Kolonialbauten.

Auf einem Aussichtshügel mitten in der Stadt konnten wir die Stadt mit ihren Ziegelbauten nochmal mit einem 360 Grad Blick geniessen, bevor wir mit einem alten „Schnaufbus“ wieder ins Zentrum fuhren. Unterwegs haben wir “Salteñas“ (ähnlich wie Empanadas nur zusätzlich mit Flüssigkeit gefüllt) probiert. Die waren zwar lecker, aber ohne tropfen und sabbern kann man diese nicht essen. An einem Strassenstand haben wir bei einer alten Frau noch Buñuelos (fritiertes Gebäck) und Api con Pastel (ein Getränk aus Mais) probiert. Der Api hat ein bisschen wie Glühwein geschmeckt, nur ohne Alkohol. Danach sind wir natürlich noch zum Hexenmarkt gefahren, wo die Schamanen all ihr Zeugs für Heilungen und die Lösung von Problemen einkaufen. Ein bisschen schräg sind die aufgehängten Lamaföten und auch geborene Lamababys schon. Weiter haben wir noch verrottetes Fleisch und weitere undefinierbare und stinkenden Zutaten für Liebeskummer, Geldprobleme, Autokauf, Schmerzen, Krebs u.s.w. gefunden. Dementsprechend war auch der Geruch im Laden etwas streng. Es gibt für jedes Problemchen ein Mittelchen, Pülverchen oder Gewürz. Die Lamaföten werden z.B. beim Hausbau auf einem Teller mit weiteren Zutaten angerichtet und angezündet. Die Asche wird dann in den Mauern oder im Boden einzementiert.

Nach Einbruch der Dunkelheit sind wir mit einem Minibus zurück zum Campingplatz gefahren und konnten das riesige Lichtermeer hinter uns lassen.

Copacabana

Für unsere Verhältnisse früh am Morgen haben wir uns auf den Weg aus der Stadt gemacht. Im alltäglichen Verkehrschaos von El Alto haben wir uns durch die unzähligen Minibusse geschlängelt. Die Strasse ist zwar vierspurig, aber 2 Spuren werden sowieso schon mal als Parkplatz benutzt. Und plötzlich stehen wir in einer Schlange von Minibussen in der 3. Spur, bis uns ein Minibusfahrer darauf aufmerksam macht, dass diese Spur eine Haltestelle für die Busse ist. So mussten wir uns rückwärts aus der misslichen Lage befreien und auf der letzten verbliebenen Spur weiterfahren. Ein einziges Hupkonzert und Gedränge und jeder versucht noch irgendwie ein paar Zentimeter gutzumachen. Ohne jegliche Blessuren an unserem Pepino sind wir aus diesem Chaos herausgekommen, einzig ein paar Schweisstropfen haben wir vergossen. Im Aussenbezirk wurde der Verkehr bereits etwas besser und wir waren schon verwundert, dass wir unter 2 Stunden aus der Stadt gekommen sind. Doch man sollte den Tag nie vor dem Abend loben. Plötzlich stehen wir wieder mal vor einer Strassenblockade. Die Polizei hat uns dann den unbezahlbaren Rat gegeben, dass wir eben hinten herum fahren müssen. So haben wir versucht in den staubigen Gassen die Orientierung zu behalten und die Strassenblockade zu umfahren. Als wir sicher waren, dass wir nun die Blockade umfahren haben, sind wir wieder auf die Hauptstrasse eingebogen. Doch der Schein trügte. Nun waren wir genau zwischen 2 Blockaden geraten und konnten somit weder vor noch zurück. Nach unzähligen solchen Versuchen, haben wir es tatsächlich nach 1 Stunde Irrfahrt geschafft sämtliche Sitzstreiks der Einheimischen zu umfahren und sind Richtung Titicacasee gefahren.

Vor Copacabana, einer kleinen Stadt am Titicacasee, mussten wir mit einer Fähre über eine Seeenge übersetzen. Auf diesen Fähren haben immer nur 2 Autos platz und sind eigentlich nur zusammengehämmerte Holzbretter. Doch auch Reisecars werden so über den See buxiert, was meine Nerven etwas beruhigt hat bei der Überfahrt. Auf der anderen Seite hat uns eine tolle Strecke entlang des Sees bis nach Copacabana geführt. In dem kleinen Städtchen haben wir vorerst versucht einen Campingplatz ausfindig zu machen. Aber entweder waren diese zu weit weg vom Geschehen oder die sanitären Anlagen wortwörtlich so verschissen, dass wir uns schlussendlich ein günstiges Hotelzimmer gegönnt haben.

In Copacabana fand genau während unseres Aufenthaltes ein grosses Fest statt, dass viele Peruaner in die Stadt führt, um ihre Autos von Schamanen zu segnen. So war Tag und Nacht ein heiteres Treiben an der Strandpromenade und alle Autos waren mit Plastikblumen und weiterem Krimskrams geschmückt.

Am 1. August haben wir einen Ausflug mit dem Boot auf die Isla del Sol gemacht. Die Bolivianer glauben, dass auf der Insel die Sonne geboren wurde und die Insel wäre ideal gewesen, um wieder einmal unsere Beine zu vertreten. Die 5-stündige Wanderung um die Insel wurde jedoch von einer Wegblockade jäh gebremst. Eine alte Frau kam uns entgegen und hat uns erklärt, dass die Stämme auf der Insel Streit hätten und die Touristen jetzt nicht mehr zu den Ruinen und anderen Sehenswürdigkeiten durchgelassen werden. So mussten wir uns mit einem kleinen Bereich der Insel zufriedengeben und haben mit toller Aussicht auf den Titicacasee im Restaurant gesessen.

Am nächsten Morgen haben wir uns zur nur 11 Km entfernten peruanischen Grenze aufgemacht. Durch das stattfindende Fest in Copacabana hat uns auf der Gegenfahrbahn ein riesiger Stau begrüsst. Da jedoch alle nach Copacabana wollten und nicht nach Peru, hat uns der Stau wenig gejuckt. Am Zoll sind natürlich alle wieder mal kreuz und quer gestanden und die Polizei hat zum Chaos noch ihren Beitrag dazu geleistet. So haben uns diese von einer Ecke zur anderen geschickt. Mit den Ausreisepapieren in der Hand konnten wir dann zur peruanischen Grenzbehörde fahren, was sich als nicht ganz einfach herausstellte. Nicht genug, dass ein riesiges Verkehrschaos herrscht, nein sie müssen entlang der engen Strassen auch noch einen Markt aufstellen. So war es schon eher Millimeterarbeit von Pascal, uns durch dieses Chaos zu bringen. Der Papierkrieg auf der peruanischen Seite war schnell erledigt und zum ersten mal hat es auch niemanden interessiert, was wir in unserer Kühlbox an Esswaren mitbringen. Über eine staubige Strasse wurden wir dann raus aus dem Chaos ins nächste Dorf umgeleitet, wo wir an einem Kiosk noch schnell unsere in Peru obligatorische Autoversicherung abschliessen konnten.

Adios Bolivia – Bienvenidos a Peru!

Bis bald

Jeannette & Pascal

1 Gedanke zu „Traditionen, Märkte & Strassenblockaden

  1. Voll geil Ihr zwei, super Bilder, super geschrieben und vorallem die Erinnerung die Ihr in mir wach ruft! Ich bin so froh, dass wir das Jahr 2010 zu diesem Zweck geopfert haben. Ich bin Dir dafür ewig dankbar Pascal. Es ist schön eine Familie zu haben aber es kommt halt auch mit Einschränkungen. Daher ist es für mich wohl nicht mehr möglich so eine Riesenreise zu unternehmen aber die Erinnerungen von damals bleiben bis zu meinem letzten Tag.
    Wann kommt Ihr mal wieder in die Schweiz?
    Ich wünsche Euchweiterhin eine sichere und erlebnisreiche Reise. Liebe Grüsse auch an Röbi

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